Zeitschriftenband 
4 (1867)
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Das Kind des Südens.

Novelle

von

Bernd von Guſeck.

3 1.

In der Welt Sturmglocken und Kriegslärm im ſtillen Hauſe heili⸗ ger Gottesfriede! Wohl denen, die ſeiner in böſer Zeit ſich erfreuen! Das greiſe Paar, das am offenen, weinumrankten Fenſter ſitzend in die ſchöne Landſchaft, ſchön auch unter grauem Regenhimmel, hinausſchaute, war ein Bild jenes Friedens, den die Welt nicht geben und nicht nehmen kann: des Friedens im Herzen. Der Mann mit ſchneeweißem Haar, das noch in ziem⸗ licher Fülle, leicht gelockt, ſeine Schläfe zierte und nur auf der Scheitel etwas gelichtet war, hatte ein edles Antlitz mit regelmäßigen, jetzt freilich ſchon ge⸗ fiuͤrchten Zügen, deſſen ruhiger und freundlicher Ausdruck ſelbſt Fremden gleich Vertrauen einflößte. Die Frau war nicht viel jünger; auch ihr Haar, das über der Stirn geſcheitelt war, trug ſchon die Silberfarbe des Alters, aber es war noch reich und glatt und das Geſicht der Matrone unter dem feinen Häubchen konnte ſogar, ihren Jahren angemeſſen, noch ſchön genannt werden. Es trug die unvergängliche Schönheit, welche ſich Frauen bewah⸗ ren können durch Zucht des Herzens und Fernhalten verheerender Leiden⸗ ſchaft. Freilich ſind manche von der Natur mit Gleichmuth, Phlegma oder Leichtſinn begabt, denen mag das eigene Verdienſt nicht hoch angerechnet werden, um ſo mehr aber den Frauen, welchen das Leben die Kämpfe des Herzens nicht erſpart hat und die aus denſelben als Siegerinnen hervorge⸗ gangen ſind, wie die Greiſin dort im Lehnſtuhl am offenen Fenſter. Aus

ihren braunen, milden Augen blickte ſie ſo klar in die Ferne hinaus, ihr Ge⸗ Hausbläͤtter. 4857. IV. Bd. 1