24 In Nacht gehüllt.
hielt; viele lachten, daß er leer war; Bauernwitze erſchallten, der alte: „So geht's in der Welt— der eine hat den Beutel, der andere hat's Geld!“ wurde wohl zehnmal mit großem Geliächter wiederholt.
„Haben Sie den Beutel verloren?“ fragte das Mädchen die alte Frau, welche man beiſeit geriſſen hatte, um dem Grafen Platz zu machen. Sie ſtand an einer Bude und handelte eifrig um eine Haube; auf die Frage des Mädchens erſchrack ſie, faßte nach ihrem Kleide, ſah das Porte⸗monnaie, das ihr vorgehalten wurde, mit einem verſtörten Blicke an und ſagte zögernd:„Nein! Das gehört mir nicht.“—„Dumme Trine!“ ſchrie ein Bauer und ſchlug das Mädchen kräftig auf die volle Schulter.„Wer wird das Ding verloren haben? Unſ're Excellenz!“—„Einen leeren Beutel? Unſ're Excellenz?“ erhoben ſich mehrere widerſprechende Stim⸗ men, aber das Geldtäſchchen mußte doch eben verloren ſein, man ſah kei⸗ nen Fußtritt auf ihm, der Graf war dort gegangen, und wenn auch das Ding leer war, ſo konnte er noch mehr Geld bei ſich haben in der Brief⸗ taſche oder ſonſt. Das raſche Bauermädchen drängte ſich alſo, geſchmeidig wie ein Aal, durch das Gewühl und erreichte den Grafen, der in ſeinem Gange aufgehalten worden war, kurz vor der Thüre ſeines Abſteigequartiers, als er nach den Fenſtern hinauf grüßte, wo ſeine Damen zu ſehen waren.
„Excellenz, haben Sie den Beutel verloren?“ fragte ſte.„Es iſt aber kein Geld d'rin geweſen— herausgenommen habe ich nichts.“ Der Graf verneinte die Frage, aber beim Anblick des zierlichen Porte⸗monnaie mit dem ſilbernen Bügel, dergleichen er noch nicht geſehen hatte, fiel ihm Baron Urbiſch und deſſen Verluſt ein— am Ende hatte ihm gar der Zufall den einen Gegenſtand des Raubes in die Hand geſpielt! Das Mäd⸗ chen mußte die Umſtände angeben, unter denen ſie den Fund gethan hatte, und wurde dann mit einem Geſchenke vorläufig entlaſſen, bis ſich der Eigenthümer finden werde. Der Graf ſprach darüber mit ſeinen Damen und ſchickte ſeinen Diener zu Herrn von Urbiſch, um demſelben das Porte⸗ monnaie vorzulegen. Richtig erkannte es der Offtzier für das ſeinige. Wer hatte es mit auf den Markt gebracht? Unzweifelhaft wohl der Dieb ſelbſt, der es nun wieder verloren— es ließ ſich nicht annehmen, da es doch immer von einigem Werth war, daß er es abſichtlich habe fallen laſſen, um nicht verrathen zu werden. Mitleidige Seelen finden ihres⸗ gleichen immer, welche ſolche Dinge, ohne nach dem Beſitztitel zu fragen, für ein Billiges kaufen. Urbiſch kümmerte ſich jedoch wenig darum, er ſandte dem Grafen das ſilberbeſchlagene Täſchchen zurück und ließ ihm
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