Von Bernd von Guſeck. 21 th Anſpruch auf Satisfaction,— ich kann mich nicht mit ihm ſchlagen, er ſeinerſeits kann mich nicht verklagen, weil ich keine direkte Beſchuldigung ir ausgeſprochen habe, auch keine Zeugen dabei waren, folglich iſt es ſehr einfach, daß ich ihm erkläre, im Unrecht gegen ihn geweſen zu ſein. Wenn ls Sie mir erlauben, Ihnen meine Aufwartung zu machen, findet ſich wohl en mündlich die Gelegenheit dazu.“—„Sie werden mir ſehr willkommen at ſein,“ erwiderte der Graf, welcher anfing, eine ganz andere Meinung über m den jungen Mann zu faſſen.„Meinem empfindlichen Ebert bringe ich fft einen beſſeren Troſt mit, als er erwarten durfte. Aber nun auch über n⸗ den Verluſt ſelbſt zu ſprechen—.“—„O der war nicht ſo bedeutend, t⸗ was den Inhalt meines Porte⸗monaie betrifft; ich fürchte, der Dieb wird. a, mich einen Lump genannt haben. Nur die Uhr thut mir leid, ich habe im ſie von der verſtorbenen Kaiſerin von Rußland bekommen, als ich in meiner zu Pagenzeit zur Aufwartung bei ihr war.“—„Sie haben doch Maßregeln ht bet der Polizeibehörde getroffen?“ fragte Lauterbach.—„Das hülfe mir e-⸗ gar nichts!“ entgegnete Urbiſch.„Darüber habe ich Erfahrungen. Mir bei wurde einmal im Theater eine Brieftaſche mit vielem Geld aus der Rock⸗ ſt 44 taſche geſtohlen, ich machte gleich dem im Opernhauſe ſtationirten Beamten n. Anzeige, ein halb Dutzend verdächtiger Subjekte wurde viſitirt, an dem⸗ hl, 4 ſelben Abende noch eine Razzia auf obdachloſes Geſindel angeſtellt und was „ weiiß ich alles! Unſere Polizei iſt doch gewiß vortrefflich, aber alles war ne⸗ vergebens. Nach einigen Tagen erhielt ich die leere Brieftaſche mit einem be höflichen Dankſchreiben für den reichen Inhalt durch die Stadtpoſt zurück; k. die freche, in einen ſchließlich väterlichen Ton eingekleidete Warnung, künf⸗ bu tig nicht ſo unvorſichtig zu ſein, eine ſolche Summe in die hintere Rock⸗ 21 taſche zu ſtecken, verdroß mich mehr als der Verluſt des Geldes, das t ich vielleicht im Clubb noch in derſelben Nacht auf andere Weiſe ver⸗ 61 loren hätte.“ 6, Dieſe leichtſinnige Rede that dem jungen Offizier bei dem älteren Manne wieder Eintrag.—„Haben Sie auch gar keine dunkle Erinne⸗
rung,“ fragte er, auf den geſtrigen Vorfall zurückkommend,„als ob Sie durchſucht worden wären? Manchmal beſinnt man ſich hinterher auf ſolche 4 in der Betäubung nur halb empfundene Eindrücke. Auch meine Tochter 1 peſann ſich erſt ſpäter, das dumpfe Geräuſch Ihres Falles gehört zu haben.“ 1—„Meines Sturzes!“ verbeſſerte Urbiſch.„Ja, Excellenz, wenn es nicht llächerlich wäre, ſo würde ich behaupten, daß mir das Bild eines ſchönen 1 Mädchen vorſchwebt, das ſich in meiner Sinnenbetäubung über mich ge⸗


