12 In Nacht gehüllt.
ſie ſolide Bewerber verſcheuchen.“—„Pfut, Tante!“ rief Lucie und ihre ſchwarzen Augen blitzten.„Hältſt du uns für heirathſüchtig?“—„Ich ſehe keine Gefahr, liebe Schwägerin,“ verſetzte der Graf lächelnd.„Warum ſoll aus dem Umgange junger Leute alle heitere Ungezwungenheit, aller geſellige Scherz, der nichts will, als zuſammen froh ſein, gleich in ſchale Courmacherei oder ſchnöde Berechnung ausarten?“—„Wir ſind übrigens gegen Herrn von Urbiſch bereits gewappnet,“ ſagte Lucie.„Wir haben unſere Herzen ſchon verloren, beide! Nicht wahr, Johanna? An ein Zwillingspaar!“
Der Graf blickte ſeine Tochter, deren Scherz er nicht gleich verſtand, fragend an; die alte Dame ſagte:„Sie meint die beiden Landſtreicher im Walde, von denen ich ſchon erzählt habe. Dieſer Witz ſpielte auf dem ganzen Rückwege. Wenn Lucie und Johanna zuſammen ſind, kann man ſchon auf nichts, als lauter Kindereien rechnen.“ Der Graf ließ ſich noch einmal das Aeußere der beiden Fremden ſchildern, was ſeine Tochter mit lebhafter Darſtellung vermochte, ſo daß man ſie vor ſich zu ſehen glaubte. Ehe ſie fertig war, wurde jedoch der Förſter gemeldet, der ſeinen Herrn um ein kurzes Gehör bat.
„Excellenz, mir iſt eine große Beleidigung widerfahren,“ begann der Waidmann.—„Durch wen, Ebert?“ fragte der Graf.—„Durch den Herrn Lieutenant, Baron Urbiſch von den Dragonern,“ erwiderte der Förſter, und ſein braunes Geſicht färbte ſich bei der Erinnerung wieder dunkler.„Ich fand ihn draußen im Rothholz liegen, das Pferd hatte ihn wohl heruntergeſchmiſſen, daß er von ſeinen Sinnen nichts mehr wußte— und wie ich ihn anrührte, ſah ich, daß ſchon Einer über ihn her geweſen war, denn der Waffenrock war aufgeriſſen und ein Stück um⸗ gekehrte Taſche hing heraus. Richtig war er beſtohlen. Und wie er wie⸗ der zu ſich kam, gab er's nicht undeutlich zuverſtehen, daß ich ihn beſtohlen haben ſollte. Ich bitte um gnädige Satisfaction, Excellenz.“—„Die ſoll Ihnen nicht fehlen, wenn es ſich wirklich ſo verhält,“ ſagte der Graf. „Ich fahre ohnehin morgen nach der Stadt und werde Ihnen eine Ehren⸗ erklärung mitbringen.“—„Mitbringen, Excellenz?“ entgegnete der Förſter, jedoch mit dem ehrerbietigſten Tone.—„Ja. Was verlangen Sie denn ſonſt?“ fragte der Graf, ohne ſeine ruhige Freundlichkeit zu verändern.
„Der Herr Lieutenant hat mir die Beleidigung ins Geſicht geſagt,“ erwiderte der Forſtmann,„alſo werden Excellenz entſchuldigen, wenn ich Sie um die Gnade bitte, mir auch eine Ehrenerklärung in's Geſicht zu
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