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4 In Nacht gehüllt.
auf und verſchwand wieder.“—„Ich habe ihn einmal in der Kirche ge⸗ ſehen: er iſt ein ganz eleganter Offizier,“ ſagte die Brunette.—„In der Kirche, ei!“ bemerkte die Tante.„Er ſcheint alſo doch ſchon in ſich gegangen, auf dem Wege der Beſſerung zu ſein.“—„Die Herren wer⸗
den zur Kirche kommandirt, Tante!“ lachte Lucie.„Dienſt, wie ein ande⸗
rer. Sie ſtören aber nur die Andacht.“
Auch die beiden alten Soldaten machten ihre Bemerkungen über den Reiter, der wenige Schritte von ihnen vorübergetrabt war.„Der Gaul war gut,“ ſagte der mit dem hängenden Barte,„aber der Mann ſitzt ſchlecht. Er wird ſich die Naſe an der Mähne wund reiben, taucht im Sattel auf und nieder wie eine Ente— ſie nennen das jetzt langengliſch, glaub' ich.“— Beide pafften dann eine Weile.—„Geſteh' es nur ein, Fritz!“ fing der Erſte wieder ſeine früher abgebrochenen Vorwürfe an. „Du biſt zu hitzig. Kein Menſch kann es mit dir aushalten. Daß du nicht alle Wochen einen Exceß im Dienſte gehabt haſt, nicht kaſſirt wor⸗ den biſt wegen grober Inſubordination, begreife ich noch heute nicht.“— Fritz hörte ihn lächelnd an und blies nur künſtliche Ringe von Tabaks⸗ rauch in die Luft: es war das alte Lied, der Bruder dichtete ihm ſeine eigenen Fehler an.—„Siehſt du?“ rief dieſer heftig.„Aergerſt du mich nicht ſchon wieder? Sitzt er nicht da ſo tückiſch wie ein Baſchkir, und hält mich gar nicht einmal einer Antwort werth?“—„Hier iſt meine Antwort!“ ſagte der Andere und reichte ihm die Hand. Der Erſte ſchlug ſogleich herzlich ein.„Wir ſind zu alt, Heinrich, um noch von einander zu laſſen,“ fuhr Fritz fort.„Alte Eheleute zanken ſich auch manchmal, aber ſie ſcheiden ſich doch nicht gleich. Wir ſind nun ſdoch einmal wie getraut mit einander.“—„Freilich! Und der Paſtor, der uns zuſammen⸗ gegeben hat, iſt ſo gut ein Diener des lieben Gottes, wie der im Chor⸗ rock, welcher Mann und Frau am Altare zuſammengibt.“—„Wie meinſt du das, Heinrich?“ fragte der Andere.—„Was hatuns zuſammenge⸗ bracht, als das Unglücke“ erwiderte Heinrich.„Iſt das Unglück nicht ein Diener Gottes?“
Fritz ſtand auf.„Es wird Zeit, Alter, daß wir gehen,“ ſagte er und der Bruder ſtand ebenfalls auf.„Weißt du aber auch Beſcheid, daß wir nicht am Ende im Walde birouakiren müſſen ohne Proviant und Lagerſtroh?“—„Komm' nur! Ich habe meine Wahrzeichen nicht ver⸗ geſſen— der Steig hier ſchlängelt ſich krumm auf weiten Umwegen, wie


