In Uacht gehüllt.
Novelle
von
Bernd von Guſeck.
1.
„Sind wir denn noch im Parke? Ich finde, daß hier die Kunſt ſehr wenig gethan hat— das iſt ja der ganz gewöhnliche Wald, wie man ihn überall hat.“— Die beiden jungen Mädchen, welche der älteren Dame auf dem Fußpfade folgten, deſſen Breite ſie mit ihrer umfang⸗ reichen Geſtalt allein füllte, wurden durch die Frage aus ihrem halblauten Geplauder aufgeſtört.
„Ganz gewöhnlich findeſt du dieſen herrlichen Laubwald, liebe Tante?“ rief die kleinſte von beiden, eine lebhafte Brünette.„Sieh doch dieſe mächtigen Buchen mit ihren Kronen, die ſich zu einem grünen ſchimmern⸗ den Dome über uns wölben, blicke rechts auf jenes halbverſteckte Wald⸗ rund, und drüben in die Durchſicht nach den Bergen— hier könnte die Kunſt nur verpfuſchen, was die Meiſterin Natur geſchaffen hat!“—„Du liebſt das Natürliche, ich weiß es ſchon!“ ſagte die Tante.„Sind wir aber noch im Parke, frag' ich?“— Die Brünette ſah ihre Begleiterin, eine ſchlanke liebliche Blondine, ſchalkhaft an, nickte ihr zu, wie zum Einverſtändniß und ſagte dann:„Ich weiß es nicht, Tante.“—„Wie, du abſcheuliches Mädchen?“ rief die Tante, ſich raſch umkehrend.„Du lockſt mich hier in die Wildniß hinein! Und du lachſt, Johanna? Ihr habt hinter meinem Rücken ein Komplott geſchmiedet!“—„Mama, es iſt ſo wunderſchön im Walde!“ ſagte die Blondine bittend.„Der Pfad ſo bequem, die Sonne ſteht noch hoch, höre nur die Vögel ſingen
Hausblätter. 1864. IV. Bd. 1*


