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Von Hugo Schramm. 63
tionen verordneten, daß in Sachſen ſtatt der Leibesſtrafe kein Wehrgeld, ſondern dasſelbe nur im Falle der Landesverweiſung gültig ſein ſolle, und die 21. der nicht edirten, von den Juriſtenfakultäten zu Leipzig und Wittenberg in einer Konferenz zu Meißen in demſelben Jahre beſproche⸗ nen Konſtitutionen enthielt die Beſtimmung daß„des Todten Manngeld“ nicht nur den Söhnen und Schwerdtmagen(Verwandte durch Mannsper⸗ ſonen), ſondern auch, wenn dieſe„des Erſchlagenen Tod gebührend nicht rächen wollten“, den Töchtern zuſtehe. In neuerer Zeit beſtand das Wehrgeld, nach Verſchiedenheit des Geſchlechtes des Getödteten, in 20 oder 10 Thalern, da aber, wie geſagt, bloß dann Wehrgeld ſtatthaft war, wenn das Urtheil auf Landesverweiſung lautete, dieſe letztere Strafe bei uns aber nicht mehr ſtattfindet, ſo hat auch der Gebrauch des Wehrgeldes natürlich aufgehört.
Wie mancher Mord iſt dagegen in den finſteren Zeiten des Mittel⸗ alters durch fromme Handlungen und Geldbußen geſühnt worden! Der Todtſchläger brauchte nur zu dieſem Behufe, namentlich wenn er ange⸗ ſehen und vermögend war, den Fürſten um einen„Schied“(Abſchied, Beſcheid) anzugehen. In ſeinem„Herzog Albrecht der Beherzte“ theilt z. B. von Langenn(S. 329) einen ſolchen Schied noch vom 17. Mai des Jahres 1466 mit, in dem wegen eines von Heinz Helldorf an Martin von Lobenitz, um einer Triftgerechtigkeit willen, verübten Todtſchlages, mit Genehmigung der Kinder des Erſchlagenen, dem Verbrecher auferlegt wurde, eine Summe Geldes zu einem„Seelengeräthe“(Stiftungen für Arme und Kirchen, womit der Seele des Stifters gerathen, d. h. ihr aus dem hölliſchen Fegefeuer geholfen werde) zu erlegen, eine Reiſe nach Aachen Gum heiligen Rocke, meiſtens nur Aachfahrt genannt) oder nach Rom zu machen, dem Ermordeten ein„ehrlich Begänknis“ mit Vigilien und Seelenmeſſen halten zu laſſen und deſſen Freunden dabei Speiſen und Getränke vorzuſetzen.
Es dürfte unſern Leſern wirklich von Intereſſe ſein, eine gerichtliche Regiſtratur aus dem Jahre 1491, betitelt:„Berichtung von dem Todt⸗ ſchlage Peter Hebenſtreit's ſeligen“, wörtlich wiedergegeben zu erhalten. Sie ſteht in der„Alt⸗zelliſchen Chronik“ von Knauth.
„Nach Gotis gebort 1400 Jaar vnd darnach im 91. Jaar, am an⸗ dern Tage sente Johannistags zu Weynachten, ſind kommen vor den Richter die zeit Nicolaſch, ein gebetener Richter, an ſtat Barthel Kobers,


