Jahrgang 
3 (1864)
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60 Aus Näh' und Ferne.

Ich muß geſtehen, daß mir dieſe Art,mir ein wenig die Meinung zu ſagen, ziemlich befremdlich vorkam, und ſtellte ihm vor, wie er ſich glücklich preiſen dürfe, überhaupt nur dem Schaffot entronnen zu ſein; ſein Leben ſei geſchont worden, und jetzt habe er es faſt eben ſo gut, wie irgend einer in England, der in gewöhnlichem Dienſt ſtehe.Dies iſt wohl wahr, lautete ſeine Erwiderung;aber ich habe es mir einmal in den Kopf geſetzt, nur unter den von mir genannten Bedingungen zu arbeiten, und dabei bleibe ich.Gut, verſetzte ich;aber ich kann Euch nicht im Augenblick darauf antworten. Ihr werdet mir doch einen oder zwei Tage Bedenkzeit laſſen?Oh, in allweg, erwiderte er. Wenn Sie mich morgen oder meinetwegen auch zu Ende dieſer Woche Ihre Entſcheidung wiſſen laſſen, ſo bin ich wohl zufrieden. Mit dieſen Worten entfernte er ſich.

Ich begab mich ſofort nach dem Verbrecher⸗Beaufſichtigungsbureau,

theilte dem Inſpektor den ſtattgehabten Dialog mit und bat ihn, mir dieſen Menſchen wieder abzunehmen, da ich wohl einſehe, er werde mir für die Zukunft unnütz ſein. Zwei Stunden ſpäter befand ſich mein Tafeldecker, welcher von ſeinen Mitſträflingen nur derLord genannt wurde, weil er ſtets mit ſeinen Dienſten bei hohen Herrſchaften dick zu thun pflegte, in den Händen von vier handfeſten Konſtabeln. Man reihte ihn in eine geſchloſſene Geſellſchaft ein, die zweihundert Miles weiter einwärts zum Straßenbau verwendet wurde, und ich denke, die zwei Jahre angeſtrengter Arbeit, die er dort auszuharren hatte, mögen zugereicht haben, die hohe Meinung, die er von ſich hegte, herabzuſtimmen und ihn zu einem nüchternen, verſtändigen Menſchen zu machen. Ich habe ihn nicht wieder geſehen, wohl aber gehört, daß er in einem Straßenwirths⸗ haus zur großen Zufriedenheit als Kellner diene.