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Von E. Dom. Brand. 33
Vermögen eines andern ſpekulirt. Beklagen Sie ihn, Lenor. Wenn der Unehrliche je des Mitleids der Guten würdig iſt, ſo verdient ein ſolcher Mann Ihr Mitleid.“ Er hatte mit einem Nachdruck geſprochen, den man an ihm nicht gewöhnt war, und ſank jetzt, von ſeiner Heftigkeit erſchöpft, in einen Seſſel.
„Ich möchte lieber den Mann, den ich meinen Gatten zu nennen gezwungen bin, für geizig, als für einen Betrüger halten, Herr Mar⸗ grave,“ ſagte Lenor kalt,„und wenn er einer ſolchen Schändlichkeit fähig geweſen wäre, ſo thut es mir leid, in Ihnen ſeinen Vertheidiger zu fin⸗ den.“—„Sie ſind erbarmenslos, Frau Dalton,“ entgegnete Horace Mar⸗ grave nach einer Pauſe.„Der Himmel ſei dem Mann gnädig, der es wagt, Ihnen Unrecht zu thun.“—„Laſſen wir jetzt Henry Dalton aus dem Spiel, Herr Margrave. Ich habe Ihnen geſagt, wenn er mir dieſe Gunſt, dieſes mein Recht verweigere, ſo bin ich über mein weiteres Han⸗ deln mit mir im Reinen.“—„Ich erinnere mich. Was haben Sie im Sinn?“—„Ihn zu verlaſſen.“—„Ihn verlaſſen?“ entgegnete er ängſt⸗ lich.—„Ja. Er mag im Beſitz des Vermögens bleiben, das er ſo zäh feſt hält, oder das er, wenn er wirklich der jämmerliche Elende iſt, deſſen Bild Sie mir vorführten, in Spekulationen verloren hat. Ich bleibe nicht mehr bei ihm. Er hat ſich nie um mich gekümmert, mir jede Bitte verweigert, jeden meiner Wünſche vereitelt und jede Stunde ſeines Lebens nicht mir, ſondern nur ſeinem geliebten Handwerk gewidmet. Meine Tante wird mich aufnehmen. Ich verlaſſe noch heute Nacht dieſen Platz, um morgen früh von London aus nach Paris abzureiſen.“
„Aber Lenor, die Welt—?2“—„Mag die Welt urtheilen zwiſchen uns. Was kann die Welt von mir ſagen? Ich werde bei meiner Tante leben, wie ich dies that, ehe mir das unglückſelige Erbe zufiel. Herr Margrave, Vormund, wollen Sie mich nach Paris begleiten? Ich bin ſo unerfahren in allen dieſen Dingen, ſo wenig daran gewöhnt, mir ſelbſt zu helfen, daß ich es nicht wage, die Reiſe allein zu machen. Nicht wahr, Sie gehen mit?“—„Ich, Lenor?“ Und wieder zucken die dun⸗ keln Wimpern über den düſteren braunen Augen.—„Ja. Wer wäre ſo geeignet, mich zu beſchützen, als der Mann, deſſen Obhut mich die Lippen meines ſterbenden Vaters empfahlen? Um ſeinetwillen werden Sie mir dieſen Dienſt nicht verſagen.“—„Iſt es ein Dienſt, Lenor? Kann Ihnen
damit ein Dienſt geſchehen, wenn ich Sie von Ihrem Gatten fortnehme?“— Hausblätter. 1864. III. Bd. 3


