Jahrgang 
3 (1864)
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32 Das Geheimniß des Advokaten.

Geld, das mir mein Onkel hinterließ, gehört mir. Wenn ich es auch mit ihm theilen ſollte, ſo blieb es gleichwohl mein Eigenthum, und keine Sophiſtik, kein Advokatenpfiff konnte es je zu dem ſeinigen machen. Wenn er daher ohne meine Zuſtimmung oder mein Vorwiſſen mit dieſem Geld ſpekulirt hat, ſo darf ich ihn zwar nicht länger als Filz verachten, muß ihn aber dafür als einen unehrlichen Menſchen verabſcheuen. Ach, Herr Margrave, Sie mit dem edlen Blut in den Adern, Sie, der ſo durch und durch ein Ehrenmann was würden Sie von Henry Dalton denken, wenn dies möglich wäre? Lenor Dalton, haben Sie je von dem Wahnſinn gehört, welchen die Menſchen Spielſucht nennen? Wiſſen Sie, was ein Spieler iſt? Können Sie ſich eine Vorſtellung machen von den Gefühlen des Mannes, der das Vermögen ſeiner Frau, die kleine Habe ſeiner verwittweten Mutter, das Erbe ſeiner hülfloſen Kinder, das Geld, welches zur Erziehung ſeines älteſten Sohnes hätte dienen ſollen, die Morgengabe ſeiner Tochter, die Hunderte, welche er ſeinen argwohnloſen Gläubigern ſchuldet, oder das Gold, das ihm ſein Dienſtherr vertraut, in Weſtend auf dem grünen Tuch eines Spieltiſches niederlegt? Glauben Sie, in jenem Moment des Wahnſinns, in welchem die Gaslampen ſeine Augen blenden, Haufen Goldes hin und her rollen und die hundertfältig ſich wiederholende Stimme des Croupiers:Faites votre jeu dem Zuruf einer Hölle voll Teufel gleich betäubend auf ſein Ohr wirkt glauben Sie, in einem ſolchen Moment denke er je daran, das Geld, das nicht ehrlich ſein iſt, zu ver⸗ lieren? Nein, er will es verdoppeln, verdreifachen, vervierfältigen, jede glänzende Guinee zu Hundert vermehren, ſie zurückbringen zu dem hungernden Weib, zu den angſterfüllten Kindern und dabei rufen:Ver⸗ 4 diente ich ſo ſchweren Tadel, daß ich ſo handelte? Sind Sie je auf

dem großen Stand von Epſom geweſen und haben die blaſſen Geſichter der Wettenden geſehen, den Lärm ihrer haſtigen Stimmen gehört, wenn es ſchließlich auf den gewinnenden Pfoſten losging? Jeder auf dem über⸗ füllten Stand, vom großen Magnaten des Raſens an, bei dem eine Viertelmillion auf dem Spiel ſteht, bis zu dem Lehrbuben herab, welcher die aus der Ladenkaſſe geſtohlene halbe Krone auf ſein Lieblingsthier ſetzte, glaubt, er halte auf den gewinnenden Renner. Dies iſt der große

Wahnſinn des Spiels, dies der ſchreckliche Zauber des Pharotiſches und

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des Raſens, dies die klägliche Verblendung des Mannes, der mit dem