Jahrgang 
3 (1864)
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4 Das Geheimniß des Advokaten.

druck von Schwermuth, der ſchmerzlich anzuſehen war. Er redete mit Lenor ſo ſelten über irgend einen Gegenſtand mit wirklichem Ernſt, daß ſie, betroffen von der Veränderung in ſeinem Weſen, plötzlich forſchend zu ihm aufblickte. Doch der Schleier der Erſchlaffung war ſchon wieder niedergefallen, und er fuhr mit der früheren Gleichgültigkeit fort.Zu jedermanns Erſtaunen hat Ihr Onkel Ihnen, und Ihnen allein, ſeine ganze Habe vermacht. Bei der beſtehenden Entfremdung war dies eine Handlung nicht der Liebe gegen Sie, ſondern des Pflichtgefühls gegen ſeinen verſtorbenen Bruder. Die Perſon, die er wirklich liebte, ſtand nicht im Verhältniß der Verwandtſchaft zu ihm, und er hielt es ohne Zweifel für ein Unrecht, ſeine einzige Nichte zu Gunſten eines Fremden zu enterben. Dieſer Fremde, der Schützling Ihres Onkels, iſt der Sohn einer Dame, die er einmal liebte, die aber einen anderen und ärmeren Mann, als der Squire Arden von Arden war, vorzog. Sie ſagte ihm dies aufrichtig und mit all dem Zartgefühl, mit welchem jedes wackere Weib dem Manne, deſſen Lebensglück ſie mit ihrer Erklärung vernichtet, eine ſolche Enthüllung machen ſollte. Der ärmere Nebenbuhler, dem ſie ihre Hand reichte, war Georg Dalton, ein junger Arzt in, einer kleinen Landſtadt. Drei Jahre nach ihrer Verheirathung ſtarb ſie und hinterließ ein einziges Kind, einen Knaben, der nach dem vier Jahre ſpäter erfolg⸗ ten Tod ſeines Vaters, von Ihrem Onkel adoptirt wurde. Er ging nie eine Ehe ein, ſondern machte ſich's zur Lebensaufgabe, den Sohn des Weibes zu erziehen, das ihn verſchmäht hatte. Gleichwohl ließ er in dem Knaben keine Hoffnung aufkommen, daß er ihn einſt beerben werde, ſondern verſchaffte ihm eine Ausbildung, wie ſie bei Perſonen üblich iſt, die ſich ſelbſt durch's Leben helfen müſſen. Henry Dalton hatte Luſt zum Studium der Rechtsgelehrtheit und trat ungefähr ein Jahr vor dem Tod Ihres Onkels in ſeinem erſten Prozeß auf. In dem Teſtament iſt er mit keinem Penny bedacht.Aber.Ich bitte, mich ausſprechen zu laſſen. Das ganze Vermögen iſt Ihnen vermacht unter der Bedin⸗ gung, daß Sie in dem erſten Jahr nach dem Antritt Ihrer Volljährig⸗ keit Henry Dalton die Hand reichen.Wenn ich aber nichts von dieſem Burſchen will, ſondern einen andern heirathe, ſo geht das Erbe für mich verloren?Bis auf den letzten Penny.

Ein ſchönes Licht blitzte aus ihren Augen, als ſie ſich haſtig von ihrem Stuhl erhob, durch das Zimmer ging und ihre Hand leicht auf