Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 49

ſelige Vater verdrießlich,das verflixte Gefühl geht mir ſicher mein Leben lang nach, Sie äſtimiren das nur nicht ſo. Grade, weil ich von meinen Leuten niemand in Verdacht haben und mir abſolut nicht denken kann, wer der Dieb und wie er hineingelangt, darum geht mir das Ding ſo nach! Na, aber genug davon.

Wilhelmi wollte noch den folgenden Tag bleiben, ſeine Bekannten aufſuchen und am nächſten Morgen weiterreiſen; er war übrigens, wie man das auch wohl ſchon errathen haben wird, von dem ſeligen Vater genau unterrichtet, wie es mit dem ſogenannten Herrn von Hohneck ſtand, und willig auf das Spiel eingegangen. Der Burſche hatte ſich in der Reſidenz an der Wirthstafel zu ihm gefunden, vermuthlich von irgend jemand auf ihn aufmerkſam gemacht; aber als Wilhelmi ſeinen Namen und Reiſeplan erfahren, wurde er nicht allein aufmerkſam, ſondern fing bereits an ſeine Rolle zu ſpielen, da er durch Roman, der ſein langjäh⸗ riger Bekannter, ſchon von der Sache wußte. Ja, der Juwelier hatte ihn gebeten, wo er vielleicht einmal dem Gauner, der ſich vorzüglich an Leipziger Meßreiſende zu machen ſchien, begegne oder von ihm höre, ihn nicht aus den Augen zu laſſen.

Das Folgende in dieſer Angelegenheit iſt eigentlich ſchnell erzählt. Als Wilhelmi am nächſten Nachmittage in die Stadt gegangen war, weidete der ſaubere Geſell den Schrank aus wieder vor meinen Augen. Mein Vater und der Polizeidirektor hatten anfangs zwar beabſichtigt, ihn hier vollſtändig fertig werden zu laſſen und ihn dann erſt bei der Hilling und zugleich mit dieſer ſelbſt zu faſſen, den Plan aber noch im letzten Augenblick als zu grauſam für Gatten und Tochter der ſchuldigen Dame, aufgegeben. So ſprengten denn ein paar Polizeidiener, als er ſich eben vom Boden erhob, die Thür und faßten ihn auf friſcher That, während zu derſelben Stunde der Direktor Herrn von Hilling in Betreff ſeiner Gattin die unliebſamſten Eröffnungen machte und dann mit ihm der Dame zu Leibe ging, die denn nach kurzem Leugnen auch ihre Be⸗ theiligung an dem Verbrechen eingeſtand. Daß der Geſell in Nummer Neun nicht leugnen konnte, verſteht ſich von ſelbſt.

Es kam jetzt noch mancherlei heraus. Die Dame hatte ſich in ihrer, durch eine unſinnige Verſchwendung herbeigeführten ſteten Geldnoth ſchon längſt durch allerhand ſchlimme Künſte Hülfsmittel zu verſchaffen geſucht. Es war in ihren Geſellſchaften hoch und aller Wahrſcheinlichkeit nach

Hausblätter. 1864. 1. Bd. 4