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Von Edmund Hoefer. 23
Alte.„Er hat mir ſeitdem zwar geſchrieben, ſich entſchuldigt, mir bei ſeinem nächſten Beſuch, der nicht lange aufgeſchoben werde, Zahlung ver⸗ heißen, allein das ſind natürlich nichts als Flauſen, denn er hat nichts mehr von ſich hören laſſen. Und ich hätte mich auch unbedenklich an's Gericht gewendet, wäre die Schuld nicht vom Herrn Steuerrath von Hilling, mit deſſen Frau Gemahlin er verwandt, in der Stille berichtigt worden.“
Der Fremde hatte ſich inzwiſchen an ſein Abendeſſen geſetzt.„Nun,“ meinte er,„dergleichen habt Ihr bei mir nicht zu befürchten, Herr Wirth. Wollt Ihr übrigens lieber Vorausbezahlung—.“—„Davon iſt gar keine Rede,“ fiel der Alte ruhig ein.„Man kann wohl einmal getäuſcht werden, im Ganzen aber kennt man ſeine Leute. Und ich bitte den Herrn zu glauben, daß ich von der Sache gar nicht geredet haben würde, wäre mir bei Ihrem Verlangen nicht grade jener Fall wieder in den Kopf ge— kommen. Zu dieſer Jahrszeit ſind Reiſende, wie Sie, ſelten. Wer in ſolcher Weiſe hier verweilt, ſucht ſich meiſtens ein Privatlogis. Allein wie Sie wollen, Herr Roman; Sie können alles haben und werden zu⸗ ſrieden ſein.“—
„Setzt Euch ein wenig zu mir,“ ſprach der Juwelier,„und nehmt ein Glas Wein an, ich möchte Euch etwas fragen.“ Und als mein ſeliger Vater Platz genommen— das Stehen wurde ihm von wegen ſeiner Stärke allerdings nicht leicht,— und ſich wie er's in ſolchen Fällen nie⸗ mals anders that, ſeinen eigenen Schoppen hatte bringen laſſen, redete der Gaſt weiter:„Ihr habt da vorhin den Steuerrath von Hilling und Gemahlin genannt. Der Herr iſt wohlhabend?“—„Die Familie lebt auf größerem Fuß, als man es ſonſt hier ſieht,“ erwiderte der Alte, dem ich die wachſende Neugierde anſah, denn ich war auch im Zimmer ge⸗ blieben, da es im Garten nichts zu thun gab, was nicht die Mädchen hätten beſorgen können, und ſaß ſtill in der Fenſterniſche.—„Sie iſt ſicher?“ fragte der Gaſt wieder.—„Ich weiß nicht, was Sie meinen,“ ſprach der Alte;„ſie bezahlen ihre Rechnungen, denk' ich, wie üblich, und von Schulden habe ich noch nichts gehört. Von ihrem Vermögen weiß ich nichts. Haben Sie eine Forderung, Herr Roman?“—„Im Vertrauen geſagt, ja,“ entgegnete der Juwelier,„und das iſt der eine Grund meines Herkommens. Die Dame hat ſchon ſeit fünfzehn Jahren und länger ihren Schmuck bei unſerem Geſchäft bald neu bezogen, bald


