Memoiren eines alten Gaſtwirths.
Von Edmund Hoefer.
Erſtes Buch. Wer das Glück hat, führt die Braut heim.
„Gottfried,“ ſagte mein ſeliger Herr Vater zu mir und zog die Stirn in noch viel krauſere Falten als ich ſonſt ſchon auf ihr zu ſehen gewohnt war,„GCottfried, du biſt und bleibſt doch der unverbeſſerlichſte Eſel, den ich je auf zwei Beinen habe umherlaufen ſehen! Sage mir um Gotteswillen, Junge, haſt du denn Sinn und Verſtand verloren, du ganz verflixter Grashüpfer, du? Logirſt mir das Frauenzimmer, das da ohne Sang und Klang und Gepäck auf Müllers Planwagen angezogen kommt, auf Nummer Eins mit den Zitzgardinen, mit den Kirſchbaum⸗ möbeln und unſern beſten Betten, als wär's ein Freifräulein oder ſonſt von den Honoratioren und nicht eine, die wie die Mutter ſagt—.“— „Herr Vater,“ bat ich,„die Mutter war freilich ganz rabiat, als ſie— 4
„Halt' den Mund, du Naſeweis!“ fuhr er dazwiſchen.„Was fällt dir ein, daß du gegen deine Mutter ſprichſt und was die ſagt? Deine Mutter iſt eine brave Frau, eine kluge Frau, eine Frau mit Augen, die ſie zu brauchen verſtand, als du noch hundert Klafter tief im Kinder⸗ brunnen lagſt! Und die willſt du, Naſeweis, meiſtern?“—„Aber liebſter Herr Vater,“ fing ich nochmals an,„die Mutter—.“—„Den Mund ſollſt du halten, Dummkopf!“ ſchrie er jedoch wieder meine Rede abſchnei⸗ dend.„Biſt noch lange nicht ſo weit uns zu meiſtern, leid's auch nim⸗ mermehr, du Grashüpfer! Werde erſt trocken, ſag' ich dir! Deine Mutter ſagt, das Geſchöpf da aßen ſehe wie eine Landſtreicherin aus,
. Hausblätter. 1864. I. Bd. 3 1


