Von Wilhelm Müller. 475
und Langeron den glücklichen Erfolg der übrigen Heerestheile zu verkün⸗ digen. Als jener zu Langeron kam und ihm in ſpöttiſcher Weiſe trium⸗ phirend mittheilte:„wir haben 20 Kanonen genommen, der General Sacken hat ſich als tapferer General benommen, die Brigade Steinmetz wird dem Feind in die linke Flanke gehen, denn ſonſt geſchieht ja doch nichts,“ da war der ruſſiſche Graf über ſeinen Mißgriff ſehr betreten und Fubrt des ſagte, er ſei im höchſten Grad mit ſich ſelbſt unzufrieden; zu ſeiner Ent⸗ ſchuldigung führte er die geheime Inſtruktion Blüchers an, von der er
it unge⸗ rreichten Kenntniß habe. Nun eilte er, das Verſäumte ſo viel als möglich wieder und gut zu machen, wenigſtens das Verlorene wieder zu gewinnen. Mit einem 4 riieb ſie raſchen, dem Feinde unerwarteten Angriff nahm er den das Dorf Hen⸗ acht Uhr nersdorf beherrſchenden Weinberg wieder und erſtürmte auch den Stein⸗
berg, wobei ihn freilich die Brigade Steinmetz ſehr unterſtützte. Der preußiſche Oberſt hatte auf dem rechten Neißeufer 12 Kanonen aufgeſtellt und eröffnete gegen die linke Seite des Feindes ein mörderiſches Feuer, watete mit einigen Bataillonen unterhalb Schlaupe durch die angeſchwol⸗ lene Neiße und ließ, vereinigt mit den Ruſſen, die Höhen mit dem Ba⸗ jonnet angreifen, während andere Bataillone von Schlauphof her den Feind im Rücken bedrohten. So wurde Lauriſton wieder zurückgeworfen, und
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4 als die Dunkelheit hereinbrach, blieb er hinter Hennersdorf ſtehen und nur noch 3
4 zog erſt am andern Tag vollends ab. Obgleich aber Langeron zur Er⸗
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ringung des Sieges nichts beigetragen hatte, ſo ſpielte doch das Glück ein paar Tage darauf gerade ihm die reichſten Trophäen in die Hände. Groß war die Freude der York'ſchen und Sacken'ſchen Truppen über den erfochtenen Sieg; doch wurde ſie durch die Strapazen der Nacht und der folgenden Tage, welche die Anſtrengungen auf dem Schlachtſeld weit übertrafen, vor der Hand noch niedergehalten. Ohne Stroh, ohne Holz, zum Theil ohne Brod, unter fortdauerndem Regen, bei kaltem Nordwind blieben die erſchöpften Truppen und Pferde faſt alle da ſtehen und liegen, wo ſie ſich bei Einbruch der Dunkelheit gerade befanden. Alle waren bis auf die Haut durchnäßt. Am ſchlimmſten waren die Landwehren da⸗ Blüchen ran, welche eine leichte, nothdürftige Bekleidung, keine Mäntel, zum Theil und ſch keine Schuhe hatten. Nur die kräftigſten Naturen überſtanden die näch⸗ Kaſſalle ſten Tage. Ein Bataillon ſchmolz in dieſer Nacht von 577 auf 271 rs, erhle Mannz ein anderes wußte ſich vor ſolchen Verluſten dadurch zu bewahren, 1 Mü daß es ſich die Mäntel und Schuhe der todtgeſchlagenen und gefangenen
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