Von O. Otto. 17
ſelbſt für berechtigt hielt, die erſehnte Viſite abzuſtatten.— Mit klopfen⸗ dem Herzen ſtieg er die Treppe in dem großen Hauſe empor, reichte einem
Jg Diener ſeine Karte hin und wurde dann zu der Frau Kommerzienräthin ngeſtch geführt, die ihn in einem glänzend eingerichteten Salon mehr huldvoll als 1 herzlich empfing. Nora erſchien nicht, und auf Arweds Frage nach dem Uhr und Fräulein erwiderte die Mutter, daß ſie mit einer Freundin nach dem 2, fel Thiergarten ſpazieren gefahren ſei und ſobald wohl nicht zurückkehren uſchaue werde. Als ſich Arwed ſpäter empfahl, ſagte ihm Frau Magens, daß ſie ſſtian! alle Sonnabend einen kleinen Kreis ihrer Bekannten um ſich verſammelte, und Arwed hiermit ein⸗- für allemal zu dieſem Cirkel eingeladen wäre.— ugte ſ Endlich erſchien der Sonnabend, an dem Arwed Nora wiederſehn e Tra V ſollte. Er fand bei der Kommerzienräthin eine kleine, ſehr gewählte Ge⸗ ſet ein ſellſchaft vor, deren Mittelpunkt offenbar Nora bildete. Sie begrüßte Ar⸗ ſhwmn wed recht freundlich, hatte aber wenig Zeit für ſeine Unterhaltung, da ſie nach u fortwährend durch die anweſenden Herren beanſprucht wurde, deren Ge⸗ enanni ſpräch immer dahin zielte, den Witz und Geiſt Nora's glänzen zu laſſen. Mam Ihre Bemerkungen flogen wie Sprühfunken umher und zündeten, wenn nde it man ſie angriff und ihr widerſprach, ſo daß ſie in dem Redekampf immer doch it Siegerin blieb und zuletzt Alleinherrſcherin der Unterhaltung wurde. ich bi Arwed wurde in dieſem Kreiſe ganz überſehn. Der beſcheidene junge viel Mann ohne Rang und hervorragende Talente konnte ſich in dem Cirkel irden der Herren, der größtentheils aus Künſtlern, Gelehrten und höheren Be⸗ komm amten beſtand, nicht bemerkbar machen, das fühlte er ſelbſt, und ſo ſpielte
er eine gar unbedeutende Rolle oder vielmehr gar keine, denn auch von der Frau und dem Herrn des Hauſes wurde er nicht beachtet, da Erſtere den ganzen Abend hindurch mit einigen Damen am Whiſttiſch ſaß und ſpielte, der Herr Kommerzienrath aber von dem jungen Studenten gar keine Notiz nahm. Ja dieſer hörte, als einmal ein Fremder nach ihm fragte, wie Herr Magens etwas wegwerfend antwortete:„Irgend eine Bekanntſchaft meiner Frau aus dem Bade her.“ Und dennoch kam Ar⸗ wed jeden Sonnabend wieder, obwohl ſein Stolz und ſein Selbſtgefühl ſehr verletzt waren durch die Art und Weiſe, wie man ihm im Magens'⸗ ſchen Hauſe begegnete, ſo daß er ſich jedesmal vornahm, nicht mehr hin⸗ zugehn. Und dennoch konnte er den Sonnabend⸗Abend kaum erwarten, der ihn wieder in Nora's Nähe führte, und lebte dann die ganze Woche hindurch in der Erinnerung dieſes einzigen Tages. Hausblätter. 1862. II. Bd. 2
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