Jahrgang 
1 (1862)
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478 Freiburg im Breisgau.

Und neben dieſem mag nur ein andres Prachtwerk noch, ein Meiſterſtück des 15. Jahrhunderts, eine in Holz geſchnitzte Anbetung der heil. Jung⸗ frau, genannt werden, eine Arbeit, die bewundernswürdig ſchön iſt, in

der der Stichel mit der Feinheit und dem Leben des Pinſels gearbeitet 9 hat. An allem Andern, den reichgeſchnitzten Chorſtühlen mit dem Bi⸗ 46 ſchofsthron, den mancherlei Steinbildern und Denkmälern Zähringer Für⸗ ſten und Freiburger Erzbiſchöfe u. a. m. müſſen wir hier wenigſtens 1 vorübergehn; dort freilich konnten wir uns bei jedem Einzelnen nach Luſt

aufhalten, und nachdem nach beendigtem Gottesdienſt der durch unſer be⸗ ſcheidenes Anſchauen während deſſelben erregte Zorn des Domſchweizers 1 gelegt war, immer und immer wiederkommen, und wir thaten das oft genug, denn man kann ſich nicht ſatt und ausſehn an der Münſterpracht, und jede freie Stunde in Freiburg muß ihr gehören.

Aber damit iſt nicht geſagt, daß man in dieſer ſchönen Stadt nicht auch noch manches andre Intereſſante ſehen kann und beſuchen ſoll. Wir haben davon genug gefunden. Nur gleichkommen kann eben dem Münſter nichts. Da iſt gleich dem Münſter gegenüber das Kaufhaus, mit dem erſteren eine der älteſten Bauten der Stadt. Fünf eine Rundbogenhalle bildende Säulen tragen einen mit zwei buntbeziegelten Thürmchen ge⸗ ſchmückten Altan; kleine Standbilder, Maximilian I., ſein Sohn Philipp, ſeine Enkel Karl V. und Ferdinand I., zieren ſeine Außenſeite.

Weiter finden wir die proteſtantiſche Kirche, die, wenn eben wieder der Münſter nicht wäre, eine Zierde für eine jede Stadt ſein würde. Sie ſtellt der Gothik der Cathedrale den romaniſchen Stil gegenüber. Die alte, unfern Emmendingen gelegene, in Verfall gerathene und abgebro⸗ chene Abtei Thennenbach iſt in dieſer proteſtantiſchen Kirche wieder auf⸗ erſtanden; Oberbaurath Hübſch, von dem Baden ſo manches gelungene Werk aufzuweiſen hat, hat ſie faſt ganz in der alten Geſtalt wieder auf⸗ geführt; nur der behelmte Thurm und die Steinmetzarbeiten ſind neu. In

1 ihrem Innern freilich iſt edle Formenſchönheit, aber ſonſt iſt alles einfach,

leer, ohne jeglichen künſtleriſchen Schmuck, und hätte ich ſie nicht in dem

freilich ſchönſten Schmuck, dem des Gottesdienſtes, geſehn, ſie hätte mir 1. nach dem Reichthum des Münſters arm erſcheinen müſſen.

Und endlich wandern wir noch zur Univerſität. Freiburg hat zwei

Univerſitätsgebäude, diealte und dieneue. In beiden werden Vor⸗

leſungen gehalten. Vor der alten ſteht, bei ſeiner Errichtung das 1848