Jahrgang 
1 (1862)
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Madonna Tuna.

Aus den Erinnerungen eines Fünfzigjährigen. Von Edmund Hoefer.

Viele meiner Leſer werden ſich unzweifelhaft daran erinnern, daß Sommer und Herbſt des Jahrs 1843 weder angenehm noch geſund wa⸗ ren, vielmehr durch ihre ſehr unbeſtändige, rauhe und naſſe Witterung ungewöhnlich viele Krankheiten entſtehn ließen. Das war, wie faſt in ganz Deutſchland, auch in Gernsburg der Fall, wo ich damals bei dem dort befindlichen Obergericht eben den bedeutenden Schritt vom Aſſeſſor zum Rath gemacht hatte. Es gab faſt keine Familie, in der nicht Trauer geweſen oder noch einzelne Glieder ſchwer darniederlagen; die Geſelligkeit war in der, grade durch dieſe ſonſt bekannten Stadt ſehr beſchränkt wor⸗ den und zeigte ſich eigentlich nur noch in den Zuſammenkünften der vielen jüngeren, unverheiratheten Männer; die Geſellſchaften hatten einſtweilen ganz aufgehört oder vielmehr noch gar nicht begonnen, und die Zeit bis Neujahr verſtrich ſo ſtill, wie ich ſie nirgends ſonſt erlebt habe. Von da ab erſt fing das Leben und Treiben wieder an, wie es in andern Jahren während dieſer Monate überall das gewöhnliche iſt, und am 12. Januar wurde der Geburtstag des Landesfürſten durch einen großen Ball, den erſten dieſes Winters, im Local derHarmonie gefeiert. Civil und Mi⸗ litär hatten ſich dazu auf das herzlichſte vereinigt, wie beide Stände zu jener Zeit denn auch beinahe ſtets im beſten Einvernehmen waren.

Ich hatte dazumal ſo viel Geſchäfte, daß ich gewöhnlich bis in die Nacht hinein an meinem Schreibtiſch verweilen mußte und ſelten oder nie

vor neun oder gar zehn Uhr in eine Geſellſchaft gehen konnte. Von Hausblätter. 1862. I. Bd. 1