Jahrgang 
2 (1861)
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VIII

den das Leben der reichbegabten Frau nahm, es iſt eine überzeugende Offen⸗ heit und Wahrheit in der Darſtellung des Kleinſten, des Bedeutendſten, die uns ſtets mehr feſſeln, ſtets weiter locken. Von einer andern Beurtheilung die⸗ ſes Buchs kann keine Rede ſein. Wir wollen die Verfaſſerin nur bitten uns nicht zu lange auf die Fortſetzung war⸗ ten zu laſſen.

Alfred Hartmann, Junker Hans Jakob vom Staal. Solo⸗ thurn. Scherer. 1861. Darſtellungen aus dem eigenen Tagebuch eines Solo⸗ thurner Patriciers, eines Ehrenmanns und treuen Patrioten. Er lebte zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, deſſen Elend auch die Schweiz ernſtlich genug berührte. Wir beſitzen derartige Auf⸗ zeichnung nur in geringer Anzahl, und jede Vermehrung derſelben iſt überaus dankenswerth, zumal wenn ihr Schrei⸗ ber ein ſo tüchtiger, einfacher und doch intereſſanter Charakter. Der bekannte und beliebte Herausgeber hat mit Recht die alte Sprachweiſe ſo viel wie mög⸗ lich bewahrt. Das Buch ſei auch in Deutſchland beſtens empfohlen.

A. Oppermann, Palermo. Breslau. Trewendt. 1860. Erinne⸗ rungen an einen Aufenthalt in Palermo und auf Sicilien, die jetzt vielen will⸗ kommen ſein werden. Der Verfaſſer, den wir ſchon von ſeinen Streifereien durch den Bregenzer Wald kennen, zeigt ſich auch hier als der ſcharfe und liebe⸗ volle Beobachter, der tüchtige Geſchichts⸗ und Kunſtkenner, und weiß ſeinen Stoff auf das lehrreichſte und anziehendſte auszuarbeiten. Die paar eingeflochtenen Erzählungen wären unſerem Geſchmack nach beſſer fortgeblieben; ſo charmant die Darſtellungen und Schilderungen aus der Wirklichkeit ſind, ſo ſchwach zeigt ſich der Verfaſſer in der Erfindung und in der Ausführung des Erfundenen.

Rud. Gottſchall, Die deutſche Nationallitteratur. Zweite ver⸗ mehrte und verbeſſerte Auflage. Bres⸗ lau. Trewendt. 1860. Lieferung 14. Wir werden uns freuen, dies vortreff⸗ liche Buch nach ſeiner Vollendung ein⸗ gehend zur Anzeige bringen zu können.

Johannes Minckwitz, Der illuſtrirte, neuhochdeutſche Par⸗ naß. Leipz. Arnoldi'ſche Buchhlg. 1860. Das Buch ſtellt in alphabetiſcher Folge die meiſten wichtigeren Dichter von Hagedorn bis auf die neuſte Zeit zuſam⸗ men. Kurzen Biographieen und Cha⸗ rakteriſtiken folgen einige Muſterſtücke. Das wäre nun, wenn auch nicht etwas Neues, doch ganz gut und ſchön, und eine ſolche kurze Zuſammenfaſſung des Lebens und Wirkens unſerer erſten Geiſter dankenswerth genug, könnte man ſich auch nur mit den Urtheilen des Ver⸗ faſſers ſelbſt ebenſo einverſtanden erklären. Das wird aber kaum von vielen Seiten geſchehn. Der Verfaſſer rühmt ſich ſelbſt Unparteilichkeit nach und bezeichnet ſei⸗ nen Standpunkt alsden der Kunſt, derparteilos nach den Geſetzen der Schönheit richtet. Wir unſrerſeits ver⸗ miſſen nun grade dieſe Unpartellichkeit vielfach und zumal überall da, wo der Verfaſſer auf Platen und deſſen Gegner zu reden kommt, wo er der ſogenannten ſchwäbiſchen Schule einige Seitenhiebe verabreichen kann. Ueberhaupt iſt der Verfaſſer einerſeits viel zu enthuſias⸗ mirt, andrerſeits gar zu gereizt, um noch unparteiiſch bleiben und urtheilen zu können. Er ſagt ſicher ſehr viel Wahres und Beherzigenswerthes, aber auch mindeſtens ebenſoviel, was wir uns alsüberſpannt zu bezeichnen erlauben. Daß Herr Minckwitz Platen vergöttert, iſt freilich eine altbekannte Geſchichte, der ebenſo Gläubigen möchte er aber auch in der Zukunft nicht all⸗ zuviele finden, wie er ſie ja bisher gleich⸗ falls nicht fand. Uns ſcheint, man iſt gegen Platen ſchon ſeit langer Zeit nicht mehr ungerecht geweſen, hat anerkannt, was anzuerkennen, und verworfen, was zu verwerfen iſt. Ihn für den größten deutſchen Lyriker zu halten, wird freilich kaum jemand einfallen, der mit ruhigem, offenem Auge die Leiſtungen unſerer Lyriker anſchaut. Wenn man dagegen von Heine liest:eine große Bedeutung hat Heine überhaupt nicht zu beanſpru⸗ chen ſo muß das den Thatſachen gegenüber einen recht eigentlich komi⸗ ſchen Eindruck machen. Natürlich ſpielt,