Von F. W. Hackländer. 411
farbene Schaaren nachrückten. Wie ein Fächer hatten ſte ſich im Nu über den halben Himmel ausgebreitet, und wenn man an den Horizont blickte, wo ſie her kamen, ſo bemerkte man ſie dort immer dichter, immer dunkeler aufſteigend, dumpf murrend und grollend und ſchon hie und da von flüchtigen Blitzen erhellt, welche dann erſt recht deutlich die Tiefe und Schwere dieſer Wolkenſchichten zeigten. Auch fielen ſchon einzelne Regentropfen herunter, gejagt von heftigem Windſtoße, der ſich plötzlich erhob, den Staub vor ſich hin blies, die Gipfel der Sträuche und Bäume ingrimmig ſchüttelte, um dann eben ſo plötzlich wieder zu verſchwinden. Die Regentropfen, die herab⸗ fielen, waren dick und ſchwer, wahre Rieſentropfen.
„Das kommt ſchneller als ich gedacht,“ ſprach der Reiter zu ſich ſelber, indem er ſein Pferd wandte, und um eine vorſpringende Ecke den Berg weiter hinauf lenkte.„Am Ende hätte ich doch beſſer gethan, meinen Regenmantel mitzunehmen, und würde es auch nicht verſäumt haben, wenn nicht Monſteur Stefan mehr auf's Geſangbuchleſen hielte, als auf die Beſorgung der Ge⸗ ſchäfte ſeines Herrn. Hol ihn der Henker!“— Er trieb Zampa zu raſcherem Laufe an und blickte an den Himmel empor, wo die fliehenden Wolken eine Wendung gemacht hatten, die es faſt möglich erſcheinen ließ, das Gewitter könne über die Berghöhe dahinziehen, ohne ſich mit dem Thale abzugeben.— Es wäre doch zu überlegen, dachte der Reiter, ob ich weiter hinauf oder rechtsab biegen ſoll, um die große Straße zu gewinnen, auf welcher ich ſchnell zu der Stadt zurückkommen kann.— Bah, ein bischen Regen wird mich auch nicht umbringen, ich will wenigſtens noch hundert Schritte hinauf, bis ich die Stadt hinter mir nicht mehr ſehe, und einen Blick in das reizende Thal werfen kann.
Daß er von dem Standpunkte aus, wohin er ſtrebte, auch das graue Schieferdach ſehen konnte, ja ſogar die oberen Fenſter des dazu gehörigen Hauſes, welches ſo maleriſch am Abhange der rückwärts liegenden Berghalde ruhte, daran dachte er freilich nicht. Aber auch ohne Schieferdach und Fenſter war der Punkt hier oben wunderbar ſchön, der Blick in das weite Thal jetzt in ſo prachtvoller maleriſcher Abwechslung von Sonnenglanz und Wolken⸗ ſchatten. Dort hinten zwiſchen den beiden Hügelketten, die parallel neben⸗
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einander liefen, drang die ſchon tief ſtehende Sonne mit aller Macht herein,
einen wahren Goldſtrom ausſprühend auf das Schlöſſer, Dörfer und Villen, ein glühendes Licht und um ſo intenſiver
erleuchtend, als der Kamm der Hügelreihen in tiefem Schatten lag. Wie
dazwiſchen liegende Thal, auf


