Jahrgang 
3 (1860)
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Aus dem Schwarzwald.

Wenn's Nacht geworden iſt und der Mond hinter den ſchwarzen Tannen heraufkommt, dann thun ſich die ſtillen Waſſer auf und die Nixen und Seejungfrauen ſteigen alle empor und wiegen ſich nach Geiſtermelodieen auf den dann lebendigen Fluten; faſt merken ſie's nicht, daß der Morgen dämmert, die Nebel zerreißen und die Frühſonne ſchon die Spitzen der Berge färbt. Da taucht ein Arm aus der Flut auf, ein ſchilfbekränztes Haupt hebt ſich hervor: der König des Nixengeſchlechts mit dem Silberbart und

den Karfunkelaugen;der Vater ruft! puh, Morgenluft! Zurück in die Sie Gewäſſer! Der See hat ſeine Bewohnerinnen wieder aufgenommen und von die weiße Waſſerlilie ſchwankt im leiſen Hauch des Morgenwindes, wo ſo ſelt eben noch der Geiſterreigen ſich gedreht hatte. Lange, lange können ſie ſo wi auf und nieder ſteigen zu Spiel und Tanz, oder auch, wie ſie gerne pflegen, ru zu hülfreichem Liebeswerk für Menſchennoth und Elend, aber einmal kommt ha auch ihnen das Ende, unſterblich ſind die Geiſter des Mummelſees nicht; ft

ſelbſt ihr König, der ſtlberhaarige Greis, iſt dem Tode verfallen und ein anderer nimmt ſeine Stelle ein. Ein liebes, ſinniges Dichteraug'* hat ſein Leichenbegängniß mit angeſehn:

Vom Berge, was kommt dort um Mitternacht ſpät Mit Fackeln ſo prächtig herunter? Ob das wohl zum Tanze, zum Feſte noch geht? Mir klingen die Lieder ſo munter.

Ach nein! O ſage, was mag es wohl ſein?

Das, was du da ſiehſt, iſt Todtengeleit',

Und was du da höreſt, ſind Klagen;

Gewiß, einem Könige gilt das Leid,

Doch Geiſter nur ſind's, die ihn tragen. Ach wohl!

Sie ſingen ſo traurig und hohl!

Sie ſchweben hernieder ins Mummelſeethal, Sie haben den See ſchon betreten, Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal, Sie ſchwirren in leiſen Gebeten.

O ſchau Am Sarge die glänzende Frau!

* Eduard Möricke im Maler Nolten.