Von Edmund Hoefer. 13
alſo nehme ich Euer Anerbieten mit wärmſtem Dank für ein paar Tage an, denn mir bleibt ja ſonſt nichts übrig. Gott lohn' Euch Eure Treue, Herr Waldinger!“— Der Alte ſchüttelte mit ernſtem Lächeln den Kopf.„Laßt's gut ſein, Herr,“ ſagte er,„ſo ſchlimm ſteht's doch noch nicht, daß unſer Herrgott das extra belohnen müßte, was nur die verfluchte natürliche Schul⸗ digkeit jedes richtigen Menſchen iſt. Doch genug davon,“ fuhr er fort. „Seid mir willkommen, Herr, und zwar je länger deſto lieber. Hier müſſen wir aber umkehren, denn da iſt der Park.“
Sie waren während ihrer Unterhaltungen ziemlich weit in den Wald gedrungen und immer mälig bergan geſtiegen, ſo daß ſie nun hoch uber dem Forſthauſe ſtehn mußten. Bisher hatten ſie ſtets den Wald um ſich gehabt mit ſeinen geſchloſſenen Beſtänden, die nur ſelten durch eine kleine Wieſe oder irgend eine Lichtung unterbrochen wurden, wo von dem Wirken der Menſchen wenig zu ſpüren war. Nun aber waren ſie ſchon ſeit einigen Minuten auf einem breitern und gebahnten Wege gegangen und ſahen jetzt
nicht weit vor ſich einen Graben nebſt dahinter liegendem Wall, der noch
durch eine oben angepflanzte dichte grüne Hecke erhöht war. Seitwärts bemerkte man eine kleine Brücke über den Graben geſpannt und dahinter eine Stacketenthür. Und wenn ſich drüben auch der Wald fortzuſetzen ſchien, ſo ließ ſich doch leicht erkennen, daß innerhalb des Walles ein breiter Weg hinlaufen mußte, von dem ſich dann ein paar Alleen in das rückwärts liegende Terrain abzuzweigen ſchienen. Dahin hatte der Forſtmann bei ſeinen Worten mit einer bezeichnenden Kopfbewegung gedeutet.
„Der Park?“ wiederholte ſein Begleiter nun fragend.„Gehört der vielleicht zu dem— 2*—„Freilich, freilich!“ unterbrach ihn der Förſter gutgelaunt;„der gehört zu dem verbotenen Revier, von deſſen Betretung ich Euch geſtern Abend noch glücklicherweiſe abhalten konnte. Das würde einen ſchönen Lärm unter dem hochmüthigen alten Schloßgeſindel gegeben haben, wenn Ihr wirklich geſchellt und um Aufnahme gebeten hättet. Und eigentlich— wäre die Hoheit nicht— möcht' ich den Andern ſchon ſolch ein Vergnügen einmal gönnen.“—„Aber was iſt denn das fuͤr ein Haus?“ fragte Hofmann.„Was ich beim Mondſchein davon bemerken konnte, hat einen bedeutenden Eindruck auf mich gemacht.“—„Es iſt der„Hinden⸗ ſtein“, ein Jagdſchloß des alten Herrn Georg Wilhelm, aber ſchon ſeit vielen Jahren und eigentlich ſeit dem Tode des Hochſeligen bereits nicht mehr von dem Fürſtenhauſe benützt oder auch nur beſucht. Und das iſt im Grunde
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