12 Lorelei.
beſſer kennen als ich, der ich immer doch nur zufällig und durch andere etwas von ihm erfahren.“— Hofmann ſah ſeinen Begleiter fragend an.„Eure Trockenheit täuſcht mich nicht,“ meinte er dann;„Ihr wißt mehr als Ihr ſagen wollt.“—„Nicht viel,“ verſetzte der Förſter im früheren Ton.„Man weiß nur, daß der Major ein paarmal einige arme Teufel von Schmugglern, die ſein Gebiet paſſiren mußten, aufgreifen und an die Behörden ausliefern ließ. Er iſt auch gut Freund mit den Herren Douaniers in Dettſtädt, welches kaum drei Stunden von Breitenſteinbach liegt. Ich meine nur,“ ſetzte der Förſter kalt hinzu,„das und dergleichen ſpräche nicht allzu deutlich von einer großen Franzoſenfeindſchaft des Herrn.“
Hofmann hatte leicht die Brauen zuſammengezogen, ließ jedoch keine Erwiderung laut werden und ging ſchweigend neben dem Andern her, der nach einer Weile fortfuhr:„ſoll ich Euch rathen, Herr, ſo bleibt Ihr für's erſte noch bei mir, bis ſich eine gute Gelegenheit findet weiter zu kommen und wieder ein wenig mehr Ruhe im Lande iſt. Ihr ſeid hier ſicher und erweist mir eine Freundlichkeit durch Euer Verweilen, ich ſehe wenig neue Geſichter und kann nur ſelten mit einem Freunde ein vernünftig Geſpräch führen. Ungelegenheiten,“ ſetzte er hinzu, da er den Fremden den Kopf ſchütteln ſah,„können mir auch nicht daraus erwachſen. Der Forſtmeiſter von Raben denkt über unſere Zeit wie Ihr und ich und haßt die Franzoſen⸗ wirthſchaft gründlich, und von ihm weiß ich, daß auch unſer Durchlauchtig⸗ ſter ein gut deutſches Herz beſitzt und der guten Sache Vorſchub leiſtet, wo er's irgend vermag. Alſo— ſchlagt ein! Abgemacht! Ihr bekommt einen grünen Rock und geltet für den Forſtgehülfen Hofmann— das wollen wir ſchon arrangiren.“
Der Gaſt ſchuͤttelte die dargebotene Hand des Förſters und entgegnete herzlich:„nach dem, was Ihr mir von Bühel ſagtet, muß ich allerdings wohl Bedenken tragen, ohne Weiteres in jene Gegend zu gehn. Ich habe gar nicht gewußt, daß die Grenze dort ſo nahe ſei. Für mich ſelbſt fürchte ich natürlich von dem Kameraden nichts, aber—.“—„Ich will Euch was ſagen,“ unterbrach ihn der Förſter,„wenn es durchaus ſein muß, ſo reitet einmal zu ihm hinüber und ſeht Euch an, wie die Dinge ſtehn. Wir wollen ſchon erfahren, wann er allein iſt, und Euer Verſteck bei mir braucht Ihr ihm auch nicht zu nennen. Was meint Ihr?“—„So wird es am richtig⸗ ſten ſein, denn ſprechen müßte ich ihn— es geht nicht anders,“ antwortete Hofmann nachdenklich, ſetzte aber ſchnell wieder freundlich hinzu:„inzwiſchen
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