geſprochen, den man dem vorliegenden Buche machen muß. Es iſt kein Epos. Mag der Zeitraum, den ein ſolches Ge⸗ dicht behandelt, noch ſo lange währen, er muß ſich immer, ſo zu ſagen, auf das Leben des Helden und ſeiner Mit⸗ lebenden baſiren; es genügt nicht, wenn ein— leitender— Grundgedanke das Ganze durchzieht, es muß dann wenig⸗ ſtens auch der eine Menſch da ſein, in dem, in deſſen Handeln, in deſſen Ge⸗ ſchick dieſer Grundgedanke zu Tage tritt.
Wenn wir aber von der Bezeichnung Epos abſtrahiren und das vorliegende Buch als einen Cyclus hiſtoriſcher oder epiſcher Gedichte aus der Hohenſtaufenzeit auffaſſen, durchzogen von jener Grund⸗ idee— von dem Streben nach der Herr⸗ lichkeit und Oberherrlichkeit des Kaiſer⸗ reichs und nach ſeiner Befreiung aus den römiſchen Feſſeln— ſo iſt von einem Vorwurf nicht mehr die Rede und wir können dieſem bedeutenden Buch unſere wärmſte Anerkennung nicht verſagen. Ein Strom von Poeſie durchflutet und verbindet das Ganze; der lieblichen und innigen Stellen ſind ſo viele wie der erhe⸗ benden und erſchütternden. Die Ausfüh⸗ rung iſt faſt überall gleich liebevoll, gleich ſchwunghaft, und das will viel heißen bei einer Dichtung, welche ihren Schöpfer eine lange Zeit beſchäftigen mußte.
XI
Wir heben dies beſonders hervor, da wir uns geleſen zu haben erinnern, daß das Buch in aller Eile, auf Veran⸗ laſſung des jüngſten italieniſchen Krieges, entſtanden ſcheine, und daß man daher auf politiſche Anſpielungen u. ſ. w. fahn⸗ dete. Man hat ſogar angenommen, daß dies Gedicht von einem„Fürſten“ ver⸗ faßt ſei, und was dergl. mehr iſt. Wir haben oft genug erklärt, was wir von der Deutungsluſt der Kritik halten, die überall aus der reinſten Dichtung Be⸗ ziehungen, Tendenz, mit einem Wort, alles herausfindet, an das der Dichter niemals gedacht. Wir wiſſen nicht, wer der Verfaſſer iſt, aber wohl, daß es kein Dilettant, ſondern ein Dichter, deſſen wir uns freuen dürfen. Das beweist das ganze Buch, in dem wir nirgends ein dilettantiſches, vielmehr überall ein ſehr bewußtes, ächt künſtleriſches Stre⸗ ben und Schaffen finden. Das beweist Anordnung und Eintheilung, Geſtaltung und Behandlung des Stoffs, der Situa⸗ tionen, der Charaktere. Der Raum un⸗ ſerer Ueberſichten erlaubt uns kein nähe⸗ res Eingehn. Aber wir empfehlen das Buch unſerm Publikum als eine hoch⸗ poetiſche und— wir wiederholen es— der wärmſten Anerkennung würdige Dichtung.


