Jahrgang 
4 (1859)
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II

von ihm, verheirathet ihn nach der Rück⸗ kehr aus dem Felde mit ſeiner Tochter und ſtirbt bald darauf, die Güter dem Schwiegerſohn hinterlaſſend. Nun kommt eine hiſtoriſch⸗philoſophiſche Wei⸗ terentwickelung der Zeit und des Buchs bis anno 1818 oder 19, in welchem der junge Gutsherr nach Breslau kommt und dort mit einem Burſchenſenior Max Turner zuſammengeräth, der ihm das eiſerne Kreuz von der Bruſt reißt, vor die Füße wirft und ſtraflos aus⸗ geht im Jahre 1819, wo zwiſchen den Männern Breslaus, auch zwiſchen den Studirenden noch viele alte Sol⸗ daten waren, die dieſe Rohheit aber alle geduldig mit anſehn! Es folgt ein Duell, Gottlieb Trautmann wird ſchwer verwundet, verliert in Folge des Schrecks ſeine Frau, erhält dafür aber einen Sohn, der Benoni genannt wird. Max Turner kommt nun als Burſchen⸗ ſchäftler ein paar Jahre ins Gefängniß, verheirathet ſich während des letzten Ge⸗ fängnißjahres 1824 mit einer alter Liebe und zieht nach ſeiner Entlaſſung mit Frau und zwei Kindern, von denen das jüngſte, Magda, 1824 oder 25 geboren iſt, nach einem kleinen Badeort in der Nähe ſeines frühern Gegners Traut⸗ mann, der den nun reuig ſich Nähern⸗ den hart abweist. Nach erneuerten hiſto⸗ riſchen und philoſophiſchen Explikationen nähern wir uns dem Jahr 1840; Be⸗ noni und Magda werden mit einander bekannt, lieben ſich, können ſich aber über allerlei andere Ideen nicht verſtändigen das fünfzehnjährige Mädchen iſt un⸗ endlich geiſtesſtark wenden ſich von einander ab, zu einander, von einander kurz, dies Spiel geht durch mögliche und unmögliche Phaſen von Schleſien,

nach Berlin, nach Paris, nach der Süd⸗ ſee, nach Deutſchland zurück, bis beide endlich dennoch in den Hafen einer hohen, majeſtätiſch ſchönen Ehe ge⸗ langen. Dazwiſchen liegen aber noch viele Jahre und 2 ¼ Bände, dazwiſchen liegt, daß Magda von ihrem Bruder, der ſich ſpäter zur Beruhigung der Leſer aber als ihr Nichtbruder erweist, mit Liebe verfolgt wird dieſer Menſch man muß mit Schiller ſagen:Franz heißt die Canaille, denn eine ſolche iſt er. Dazwiſchen liegt die Verſöhnung desalten Trautmann er iſt be⸗ kanntlich anno 1839 erſt 47 Jahre alt mit Turner, ſeine Liebe zu der zu⸗ künftigen Schwiegertochter und ſein Haß gegen ſie, die Verſtoßung ſeines Sohns Benoni, die Theilnahme dieſes an den Februar⸗ und Junitagen 1848 in Paris u. ſ. w. Dazwiſchen macht Benoni auch eine Expedition in die Südſee mit, ſtran⸗ det dort, wird Robinſon, erlegt ein noch lebendiges vorſündflutliches Thier, wird endlich erlöst und kehrt geläutert zum Vater zurück. Dazwiſchen endlich er⸗ fahren und machen wir ſehr viel Politik, dazwiſchen leſen wir alles in einem ſehr zerriſſenen und oft ſehr ungelenken oder ſehr vernachläßigten Stil, dazwiſchen gibt es in Fülle Uebertreibungen, Un⸗ fertigkeiten, Wiederholungen, dazwiſchen müſſen wir die Menſchen ſich überall entweder ganz unbeſchreiblich grob oder unbeſchreiblich edel behandeln ſehn und müſſen wohl zum Schluß fragen: erwirbt oder erhält man ſich durch ſolche Bücher jetzt in Deutſchland den Namen eines bedeutenden Dichters? Schreibe Herr Brachvogel doch politiſche, hiſtori⸗ ſche, ſociale Abhandlungen wir zwei⸗ feln nicht, daß er darin wirklich Gutes