Jahrgang 
4 (1859)
Einzelbild herunterladen

ÿ;,,

Von Arnold Schloenbach.

hätte wahrſcheinlich auch Fiesko's Erhaltung am Ende nothwendig gemacht, wobei ſein Charakter augenſcheinlich an Wahrheit verlieren wuͤrde.

Nunmehr zur Aufführung des Stuͤcks! Es wäre vergeblich, Worte zu ſuchen, um das Vergnügen ganz zu ſchildern, welches uns das vortreff⸗ liche, uüberall durchdachte Spiel des Hrn. Fleck in der Hauptrolle gewährt hat; eine Rolle, die wegen ihres Umfangs und der darin liegenden gro⸗ ßen Kunſt unſtreitig als die erſte und wichtigſte auf unſerem Theater anzu⸗ ſehen iſt. Wie wir hören, iſt ein Freund der Bühne beſchäftigt, unſre Leſer mit einer nähern, ausführlicheren Charakteriſtik ſeines Spiels zu beſchenken, die denn das nur eben geſagte mit unwiderſprechlichen Beweiſen belegen dürfte. Wir glauben, ohne den geringſten Vorwurf der Uebertreibung, be⸗ haupten zu können, daß dieſer Künſtler, beſonders in den erſten Vorſtellungen, jede Erwartung erfuͤllt habe. Außerordentlich gelang ihm die Erzählung im 7ten Auftr. des 2ten Akts, die unter ſeiner Declamation noch an Schönheit zu gewinnen ſchien; ferner der Schlußmonolog des zweiten Akts, der in der Umarbeitung unverkennbar gewonnen hat; deßgleichen der 5te und 11te Auftr. des dritten, und der 7te und 9te Auftr. des vierten Akts, wo beſon⸗ ders das Tableau, wenn er einem der Verſchwornen das Schwert entwunden hat, um ſich zu vertheidigen, bei einigen Vorſtellungen von ganz vortreffli⸗ cher Wirkung war. Auch im 12ten und darauf folgenden Auftritten des vierten Akts fand man Gelegenheit, Zug für Zug den großen Künſtler zu bewundern, der alle Schwierigkeiten glücklich zu heben weiß. Auf den höch⸗ ſten Gipfel der Kunſt ſteigt Fiesko erſt nach Leonorens Ermordung, im 11ten und 12ten Auftr. des letzten Akts, und eben hier war es, wo uns Herr Fleck nichts mehr zu wünſchen übrig ließ.

Als Andreas Doria zeigte ſich Herr Döbbelin, vornemlich im 10ten Auftr. des zweiten Akts mit Beifall. In der Rolle der zärtlich⸗ſchwärmen⸗ den, empfindungsvollen Leonore wieß ſich Mlle. Döbbelin nicht weniger vor⸗ theilhaft. Herr Langerhans als Verrina ſpielte beſonders die Scene(Akt 1.) wo er ſeiner Tochter den Fluch giebt, mit Beifall; dagegen gelang ihm der 5te Auftr. des letzten Akts nicht ganz nach Erwartung, weil er hier ſeiner Rolle nicht gewiß zu ſein ſchien, und ſich folglich uͤbereilte. Als Bertha ſpielte Mlle. Witthöft vortrefflich. Herr Unzelmann, als Gianettino Doria, nahm den Charakter zu rauh in Anſtand und Ton, wodurch er an verſchie⸗ denen Stellen in bäuriſche Grobheit verſiel, und den Hofmann gänzlich ver⸗ fehlte, der doch eigentlich durch alle Rauhigkeit dieſes Charakters hindurch⸗