Jahrgang 
4 (1859)
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478 Aeußerungen über Schiller in den Jahren 17821788.

gewählte, veränderte Todesart, betreffende Bemerkungen unſern Leſern ſchul⸗ dig zu ſein, da es leicht möglich iſt, daß einer und anderer von denen, die dieſes ſo viel umfaſſende Stuͤck nur obenhin geſehen, oder flüchtig durchlaſen, auf Zweifel ſtößt, die ihm die Wahrheit des Hauptcharakters verdächtig ma⸗ chen. Vielleicht wurden dieſe zugleich durch eine Verwechſelung desjenigen, was man auf dem Theater ſah, mit einigen, freilich noch zu ſchwankenden Charakterzügen der Schiller'ſchen Originalausgabe, wodurch mehrere(un⸗ ſers Wiſſens) zu Mißverſtändniſſen verleitet wurden, noch mehr begünſtigt. Bei näherer Beleuchtung eines Charakters dieſer Art muß man billig zu⸗ gleich auf die dem Dichter nöthigen Modifikationen desſelben merken. Auch wird die von der Geſchichte ganz abweichende Art des Todes(über deren Wahl aus Gruünden ſich der Herr Bearbeiter in ſeiner Vorrede, und noch kürzlich bei Gelegenheit einer Unterredung gegen uns äußerte) alsdann ge⸗ rechtfertigÄt. Ein Konquerant, wie Fiesko zwiſchen dem unbezähmten Trieb nach Ehre und der zärtlichſten Liebe gegen ſeine Gattin getheilt, der dieſe ihn beherrſchenden Leidenſchaften zu Ende des zweiten Akts, nicht weniger in der erſten Rede des 14ten Auftr. im vierten Akt, und gegen den Schluß des Stücks(S. 177) ausdrücklich als Motiven ſeines Verfahrens angiebt, bleibt ganz in dem Gange der Natur, ob er gleich durch die Großmuth ſei⸗ nes Feindes(Auftr. 9. Akt 4.) wenigſtens vorübergehend, erſchüttert wird, und die unglückliche, unvorſichtige That der Ermordung ſeiner Gattin (Auftr. 12. Akt 5.) durch die Ausbrüche der höchſten Verzweiflung büßt. Auch durfte er auf der Bühne durch keinen Fehltritt bei Beſteigung einer Galeere(welches freilich der wahren Geſchichte angemeſſen wäre) oder durch fremde Dolche den Tod finden. Da, wo der von ihm gekränkte, verrathene Andreas ſein durch Leonorens Tod erſt friſch verwundetes Herz auf der em⸗ pfindlichſten Seite beſtuͤrmt; wo bloße Hoffnung des Throns dem nicht genügen darf, den Andreas ſelbſt ſeines Gleichen nennt, und wo der plange⸗ rechte Eroberer zu groß ſein muß, durch einen einzigen unrühmlichen Rück⸗ ſchritt die Ehre ſeiner vorherigen Handlungen verdächtig zu machen, oder ſich zu einem freiwilligen, lebenslänglichen Exilium zu verſtehen, da iſt es ganz in den Grenzen der Natur, ihn Leonoren folgen und als Fürſt endigen zu ſehen. Einen Mittelweg giebt es hier nicht, man ſage auch, was man wolle, es wäre denn, daß Leonore am Leben bliebe, für welche neue Wen⸗ dung der Kataſtrophe dem Bearbeiter zwar manche Dankſagung von Seiten des ſchönen Geſchlechts zu Theil geworden ſein dürfte; aber dieſe Neuerung

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