476 Aeußerungen über Schiller in den Jahren 1782— 1788.
zu enge. Gottheiten, die ſich ſo gram ſind!— Liebe und Herrſchſucht!— Fiesko. Laß ab! Laß ab, geliebte Verfüͤhrerin! Mein Entſchluß ſteht unerſchüttert!— Leonore. Liebe hat Thränen, und kann Thränen ver⸗ ſtehen. Sie kennt nur ein Gut, und thut Verzicht auf die ganze übrige Schöpfung; Herrſchſucht hingegen hungert bei'm Raube der ganzen Natur. Liebe träumt ſich jede Wuſte zu Elyſtum; Herrſchſucht zertrümmert die Welt in ein raſſelndes Kettenhaus.— Fiesko(innerlich bewegt). Leonore!— Leonore. Und dann— O mein Geliebter! Selten ſtiegen Engel auf den Thron, weit ſeltner herunter.— Fiesko. Hör' auf, Leonore! Die Brücke hinter mir iſt abgeworfen.— Leonore. Sage das nicht! nur Thaten ſind nicht mehr zu tilgen.(feuriger.) Kehr' zurück! Ermanne dich! Entſage aller ſchwindelnden Größe! Liebe ſoll dich entſchädigen! Kann mein Herz deinen ungeheuren Hunger nicht ſtillen:— o Fiesko! das Diadem wird es noch weniger.— Fiesko(durch und durch erſchüttert). Leonore!— Leo⸗ nore(ſchmeichelnd). Komm' Ich will all' deine Wünſche auswendig ler⸗ nen; will allen Zauber der Natur in einen Kuß der Liebe zuſammenſchmelzen. Auch die Liebe iſt unendlich— ſo wie dein Herz, Fiesko!(ſchmelzend) Ach! ein armes Geſchöpf glücklich zu machen,— ein Geſchöpf, das ſeinen Himmel an deinem Buſen lebt!— ſollte das noch wohl eine Lücke in deinem Herzen zurücklaſſen?— Fiesko. Leonore, was haſt du gemacht? u. ſ. w.
Der beſchränkte Raum der Bühne, wodurch beſonders die im 15ten Auftritt des letzten Akts vorkommende Veränderung des Theaters in einen Platz vor der Signoria unmöglich wurde, veranlaßte hieſelbſt nachſtehende Aenderungen..
S. 167. Z. 4. bis S. 168. Z. 3. Verrina rc. ꝛc.(beide nochmals umarmend). Nehmt meinen Segen, und lebt wohl! Gott geleit euch!(er will eilends fort.)— Bourgognino. Entſetzlich! Verrina!— Doch wie? Kommt dort nicht Fiesko ſelbſt?— Bertha. Er iſt's! Schon als Herzog!— Verrina. So eilt denn! Vollzieht was ich gebot!— Ich will ihn hier erwarten.— Bertha. Und fliehen ſollten wir, mein Vater? — jetzt in dieſer ſchrecklichen Stunde?— Verrina. Bei meinem Zorn, ich will es— Bourgognino. Er iſt dein Vater!— Komm! laß uns gehorchen.(beide gehen nach dem Hafen. Verrina verbirgt ſich ungeſehen in eine der Seitengaſſen.)


