Jahrgang 
4 (1859)
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72 Aus d. Leben eines Portepeefähndrichs i. d. letzt. Jahren v. d. Jenaer Schlacht.

wenn mir einſt die Civilcarriere weniger zuſagte, es mich nicht gereuen möge, nicht Militär geworden zu ſein.

Zwei Bahnen für mein Leben lagen jetzt vor mir; welche ſollte ich wählen?— Ich war auf einen Punkt gedrängt, von dem es mir ſelbſt überlaſſen war, den nächſten Schritt zu thun, um über meine Zukunft zu entſcheiden. Nach langem Schwanken erklärte ich dem einmal gefaßten Ent⸗ ſchluß zu ſtudiren, getreu zu bleiben. Da trat plötzlich der Kommandeur des Regiments, Oberſt von Cornerut, welcher die Urſache der Ankunft meiner Mutter erfahren hatte, in die Stube. Ein ſechs Fuß hoher Mann, von rieſigem Gliederbau, mit breitem, finſterem Geſicht, ſtand vor mir und blickte mich durchdringend an. Verlegen begann ich auf ſeine Fragen meine Erklärung zu ſtottern. Er aber ließ mich kaum ausreden, ſchien verwundert, mir vorwerfend, daß ich nicht durch eine ſchnelle, bündige Annahme die mir gebotene Gnade des Chefs dankbar anerkenne. Zugleich malte er mir die Vorzüge ſeines Standes mit den verlockendſten Farben, ſpöttelte über die Federfuchſerei und ließ es an Zureden nicht fehlen. Er drängte, ich ver⸗ mochte ſeinen Vorſtellungen nichts entgegenzuſetzen, da reichte er mir die Hand, ich ſchlug ein und ſo ward ich Soldat.

Es wurde mir geſtattet, den Winter hindurch noch auf dem Gymna⸗ ſium zu bleiben und erſt im Frühjahr einzutreten. Dieſe Zeit aber verging ohne Nutzen für mich. Meine Gedanken waren ſchon zu ſehr mit meiner neuen Laufbahn beſchäftigt. Auch durfte ich ſchon die neue Uniform tragen und in derſelben Sonntags paradiren. Ich trug einen dicken, bis an die Taille reichenden Zopf, welcher dicht am glattgeſchorenen Kopfe angebunden war, jede Seite des Hauptes zierte eine quer über das Ohr gehende Locke, welche beſonders reichlich mit Pomade durchknetet und mit Puder dick über⸗ ſchüttet werden mußte. Auf dieſer Friſur ſaß ein zweiſtutziger Hut mit einer zollbreiten ſilbernen Treſſe eingefaßt, auf deſſen vorderer Klappe man den Namenszug des Königs erblickte. Ein ſchmaler Pappſtreifen, mit ſchwarzem Berkaſe überzogen, hinten mit einer Schnalle, bildete die Halsbinde; ein ſehr enger Rock mit gelbem, ſtehendem Kragen, Aermelaufſchlägen und im Bogen nach den Hüften gehenden Rabatten, eine weiße Weſte mit langen, eckigen Schößen, eine zwei Zoll breite, weißlederne, um den Leib geſchnallte Koppel, an welcher ein kurzer, nicht tief herabgehender Pallaſch ſich befand, kurze, knappanliegende, weißtuchene Beinkleider, bis ans Knie heraufreichende ſchwarztuchene Kamaſchen, mit achtzehn meſſingenen Knöpfen an jeder Seite,