Jahrgang 
4 (1859)
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10 Ein unheimlicher Mann.

Sie heißen Habermann? fragte Gonthal, eine kalte, gleichgültige Miene annehmend.Simon Habermann, auch Simon vom Moor. Wie konnten Sie auf die Vermuthung kommen, daß ich Sie auf's Amt würde citiren laſſen? Sind Sie ſich irgend einer Schuld bewußt?Ich nicht, Herr Gerichtsdirektor, aber andere Leute meinen, ich thue Unrecht,

und darum verfolgen ſie mich.Andere Leute? wiederholte Gonthal. Eigentlich iſt's nur ein Einziger, fuhr Habermann fort,ein Zuge⸗ wanderter, kein Eingeborner.Wie nennt er ſich? Ueber Simons

ſcharfe Züge flog ein pfiffiges Lächeln.Der Herr Gerichtsdirektor kennen den Mann beſſer als ich. Er iſt vor kaum einer Stunde bei Ihnen geweſen, um mich zu verklagen.Woher wiſſen Sie dies?Ich weiß es. ,Dann hat Ihnen der Regimentschirurgus ſelbſt Anzeige davon gemacht. Ich ſah den Herrn nicht ſeit drei Tagen!Und Sie wollen doch wiſſen, daß dieſer Mann bei mir war? Abermals flog ein unbeſchreib⸗ lich kluges, faſt übermuthiges Lächeln über Simons Geſicht, während das Auge des Mannes blitzartig ſcharf Gonthal traf.Ich kannte ſeine Ge⸗ danken ſchon geſtern und wollte ihm eigentlich zuvorkommen, ſprach er. Nur weil ich ihm den Spaß nicht verderben mochte, unterließ ich es. Jetzt ſind der Herr Gerichtsdirektor unterrichtet und ich will mir Beſcheid holen.

Gonthal ſah ſich in eine höchſt ſeltſame Lage verſetzt, indeß durfte er ſchon aus Klugheit nicht merken laſſen, daß Simon vom Moor ihn voll⸗ ſtändig entwaffnet hatte und gänzlich beherrſchte. Allem Anſcheine nach wußte der ſchlaue Mann bereits, wie groß ſeine Macht war, und konnte ſich der ohne alle Mühe errungenen Vortheile ihm gegenüber nach Bequemlichkeit bedienen.Sie erleichtern mir und ſich ſelbſt eine Vernehmung, die ich nach dem Gehörten anſtellen muß, wenn Sie ſich frei gegen mich ausſprechen, ſagte der Gerichtsdirektor.Der Regimentschirurgus Borſtendorn hat Be⸗ ſchwerde geführt. Es iſt meine Pflicht, zu unterſuchen, ob dieſe Beſchwerde begründet iſt, und wenn ſich beſtätigt, was er mir mitgetheilt hat, ihn gegen Sie in Schutz zu nehmen.Ich war allezeit ein gehorſamer Unterthan meiner gnädigen Herrſchaft, erwiderte Habermann.

Der Regimentschirurgus behauptet, fuhr Gonthal fort,Sie gäben ſich unberufener Weiſe mit Heilung Kranker ab. Iſt das wahr?Auf⸗ dränge ich mich keinem, verſetzte Simon vom Moor,wenn aber der Eine oder Andere mich flehentlich bittet, ich ſolle ihm doch helfen, da kann ich's in meiner Gutmüthigkeit nicht immer laſſen.In ſeiner Gutmüthig⸗ keit! dachte Gonthal.Der Mann ſieht eher bösartig als gutmüthig aus 14

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