Jahrgang 
3 (1859)
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VI

Novelle, gewöhnlich aber beide zu kurz. Aehnliches haben wir an dem vorliegen⸗ den Buche, deſſen Heldin die große tragi⸗ ſche Schauſpielerin Rachel iſt, auszuſetzen. Als Novelle iſt das Buch unbedeutend ohne wirklichen innern Zuſammenhang, wie ihn ein ſolches Kunſtwerk doch haben ſoll. Als Biographie kann es vor den romantiſchen Zuthaten auch nicht zur Geltung kommen, obgleich wir nicht leugnen wollen, daß die Verf. das ihr vorliegende Material ſo fleißig wie mög⸗ lich und geſchickt benützt haben mag.

Als Supplement zur Deutſchen Volksbibliothek erſchien in 5 Hef⸗ ten: Alexander v. Humboldt. Ein biographiſches Denkmal von Hermann Klencke. 3. Aufl. Leipzig. Spamer. 1859. Mit dem Portrait Humboldts. Dieſe Biographie, mit der Humboldt ſelbſt ſich einverſtanden und zufrieden erklärte, konnte zu keiner paſſenderen Zeit kommen, als jetzt, wo uns der außerordentliche Mann ſoeben verlaſſen und jeder Gebildete das Bedürfniß hat, ſich den Gang ſeines langen Lebens zu vergegenwärtigen. Die dritte Auflage iſt gegen die früheren bedeutend ver⸗ mehrt. Der Preis des Buchs iſt ſehr gering und erlaubt auch dem Unbemit⸗ telten ſeine Erwerbung.

Von Freund Holteis Lebensbeſchrei⸗ bung, die dem Publikum unter dem Titel: Vierzig Jahre bekannt iſt, liegt uns eine 2te Auflage vor, Breslau, Tre⸗ wendt, 1859, und iſt bis zur 8ten Lie⸗ ferung vorgeſchritten. Wir werden erſt nach Vollendung des Buches näher auf daſſelbe eingehen, allein ſchon hier ſagen wir allen denen unſerer Leſer, welche dieſe Biographie noch nicht kennen, daß ſelbſt Holtei nicht ein zweites ſo liebens⸗ würdiges, ſo heiteres und ſo ernſtes Buch

geſchrieben hat, wie dieſe Darſtellung ſei⸗ nes vielbewegten Lebens.

5 Oppermann, Aus dem Bre⸗ genzer Wald. Breslau. Trewendt. 1859. In Süddeutſchland kennt und liebt man Vorarlberg, dies eigenthüm⸗ liche, wilde und ſchöne, verſteckte Stück Erde; in Norddeutſchland kennt man meiſtens nur ſeinen Namen. Aber im Süden wie im Norden muß man dem Verf. ſeine Schilderungen danken, die er uns aus dieſem Ländchen, von dieſen Bergen und Thälern, von dieſen Dörfern und Menſchen gibt. Die angeſchloſſene NovelleVom Steinſchleifer Joſeph u. ſ. w. hat uns weniger angeſprochen. Sie behandelt einen alten Stoff auf keine neue Weiſe, und man ſieht überall, daß der Verf. beſſer beſchreibt, als erfindet und erzählt.

H. Meier, Das Kind in ſei⸗ nen erſten Lebensjahren. Leipzig. Schlicke. 1859. Das iſt ein Buch, welches wir allen Eltern auf das an⸗ gelegentlichſte empfehlen können; ſie fin⸗ den hier eine ſehr vernünftige und klare Zuſammenſtellung und Entwickelung des⸗ jenigen, was bei leiblicher und geiſtiger Erziehung eines kleinen Kindes noth⸗ thut und zu beachten iſt. Der Verf. will vorzüglich dem alten Aberglauben, den Vorurtheilen u. ſ. w. entgegen treten, welche noch hie und da bei Behand⸗ lung der jungen Mütter und ihrer Kin⸗ der im Gange ſind, und bringt, geſtützt auf die beſten Autoritäten, allerdings viel Gutes vor. Nur geht er unſerer Ueberzeugung nach in einigen Punkten zu weit, indem er ſelber mit einem ge⸗ wiſſen Vorurtheil gegen vieles auftritt, was, wenn auch nicht grade durch die Wiſſenſchaft, doch durch lange Erfahrung und ſtete Uebung als praktiſch und richtig