Jahrgang 
3 (1859)
Einzelbild herunterladen

Der Tannhäuſer. Von F. W. Hackländer.

Straßenwanderung.

Es iſt eigenthümlich, daß trotz des längſt heeen Seperae und theilweiſe auch Zunftzwanges doch ſelbſt in unſern größern deutſchen Städten die gleichbeſchäftigten Handwerker ſo häufig um und neben einander wohnen, mit ihren Straßen Gruppen bildend, wie damals, als noch die Schuſter, Schreiner, Schloſſer, Schwertfeger, Sattler und alle dergleichen Gewerbe in der nach ihnen benannten Gaſſe hausten. Man ſollte glauben, heutzutage, wo nicht mehr jeder Handwerker nach alt hergebrachter Form und dem Modell arbeitet, das ihm vom Vater und Großvater überkommen, ſondern wo es jeder dem Andern zuvor thun will und muß, wo in mancher kleinen Werkſtatt eine Erfindung auftaucht, die des Nachbarn Staunen und Aerger erregt, heutzutage, wo die Concurrenz, der Feind aller, jeden ſich abmühen läßt, die Aufmerkſamkeit des Publikums auf ſich zu ziehen, würde ſich der Schloſſer vom Schloſſer, der Sattler vom Sattler ſo weit als möglich entfernen. Und doch iſt das, wie oben ſchon erwähnt, nicht immer der Fall. Wir reden hier nicht von den Gewerken, die an gewiſſe Oertlichkeiten gebunden ſind; ſo zum Beiſpiel finden wir es ganz natürlich, daß drunten in den Gaſſen am Kai die Schiffer hauſen, und dort das dritte und vierte Haus ein Seiler⸗ oder Segeltuchladen iſt, oder eine Eiſenhand⸗ lung, und daß ſich dort die zahlreichen Magazine befinden, eines neben dem andern, wo der Schiffer ſeine Bedürfniſſe findet. Daß man um den Marktplatz herum in jedem Hauſe Bänder und bunte Stoffe heraushängen ſteht, verſteht ſich ebenfalls von ſelbſt; dort kaufen die Bauern ein, wenn ſie den Inhalt ihrer Säcke und Körbe zu Geld gemacht haben. Daß auch weiter in die Stadt hinein ein ſcharfer Geruch dringt uns entgegen, Hausblätter. 1859. 1II. Bb. 1