Jahrgang 
1 (1859)
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14 Das Burgfräulein.

Krankheit erſtanden. Tief erſchüttert ſprach er ihr dieſen Gedanken aus; ſte ſchüttelte leiſe den Kopf.

Du irrſt, mein Sohn, ſagte ſie;ich habe keine Krankheit über⸗ ſtanden, ſondern gehe vielmehr einer und ich meine faſt, der letzten ent⸗ gegen. Die endliche Entſcheidung dieſes unſeligen Prozeſſes iſt mir daher ein großer Troſt; ich weiß mein Kind doch gegen Mangel geſchützt. Mutter, unterbrach er ſie faſt heftig,was ſagen Sie da? Denken Sie denn nicht an mich? Bin ich nicht Hildegards Bruder, der im unglücklichen Fall ſeiner Schweſter immer noch eine Stellung erhalten haben wuͤrde, wie ſte ſich für uns alle geziemte? Die Dame lächelte trübe.Das weiß ich freilich, mein Sohn, verſetzte ſie;aber ich weiß daneben auch, daß du bei deiner Stellung und deiner großen Familie nichts übrig haſt. Es iſt jedenfalls ſo beſſer, und, ſetzte ſte hinzu,dein Theil Sorgen um die Schweſter wird dir dennoch nicht erſpart bleiben; du wirſt Gelegenheit genug finden, dich als Bruder gegen ſie zu bethätigen. Denkſt du noch daran, Moritz, fuhr ſie fort,wie leicht wir dieſe Angelegenheit damals nahmen, wie ſchnell wir ſie beendigt glaubten? Nun ſind vier volle Jahre darüber hingegangen, und mir iſt dabei das Herz gebrochen. Wer das hätte vorausſagen können!

Mutter, ſprach er nach einer Weile, da er ſie nicht weiter fortfahren ſah,ich faſſe nur nicht recht, wie Sie bei Ihrer ſonſtigen Kraft das alles ſo ſchwer zu nehmen vermochten. Der Erfolg konnte doch niemals zweifel⸗ haft ſein. Sie ſchaute ihn ernſt an.Täuſche mich nicht, ſagte ſie. Ich weiß ſo gut wie du, daß der Erfolg dennoch bis auf den heutigen Tag zweifelhaft war. Du deinerſeits weißt überdies ſo gut wie ich, welche Opfer dieſe Jahre von uns verlangt haben, daß nicht nur meine Erſparniſſe ver⸗ loren gingen, ſondern Lindow auch aufs neue wieder mit Schulden belaſtet iſt, die mir ein Gräuel und eine Qual ſind und die ich mein Lebenlang los zu werden ſtrebte. Ich lege dir das ans Herz, Moritz! Sorge dafür, daß deine Schweſter einmal einen Beſitz antritt, der wirklich ihr Eigenthum iſt. Denn es verſteht ſich von ſelbſt, ſetzte ſte hinzu,daß ich nach meinem Tode nur dich zum Vormund fuͤr Hildegard haben will.

Mutter, bemerkte er wieder nach einer Pauſe, ohne den finſtern Blick zu erheben,fühlen Sie denn gar nicht, wie peinlich mir dies Geſpräch, wie betruͤbend fuͤr mich dieſe fixe Idee von Ihrem Tode ſein muß? Es

iſt ja, Gott ſei Dank, noch gar nicht an einen ſolchen Fall zu denken.