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Aus der Vergangenheit. Von Johannes Müller.
Ehre uneingedenk, ſchmachvoll im Reiche herumzog, von einem der kleinen Höfe zum andern ſich fortbettelnd, bei Juden und Chriſten borgend und geſchenkten Schmuck verſetzend, wurde zu Liegnitz eine Kommiſſion gehal⸗ ten, um von des Herzogs Schulden einen Ueberſchlag zu machen. Es fanden ſich an Schulden 163,443 Rthlr. und 123,945 Rthlr. Schäden und Zins; ferner 28,053 Rthlr. gemeine Schulden, Beſoldung der Diener und Pferde und anderes, daß alſo die ganze Summe ſichg auch 485,466 Rthlr. 25 Weißgroſchen belief.„Dies gab J. F. Gnaden, weil es bald durch alle Lande verſchollen, einen großen Stoß.“ Außerdem brachten die Bürgſchaf⸗ ten, wozu er ſo manchen ſeiner Unterthanen veranlaßt hatte, nicht wenige in Ungelegenheit, Schaden, ja ins Verderben. Schweinichens Vater war
auch unter dieſen, und eine Bürgſchaft für 800 Fl. von Herzog Heinrichs
Schulden war der ſpätere Anlaß von vielem Kummer für ihn und der Be⸗ ginn des allmäligen Verfalls ſeiner Verhältniſſe, der mit dem Verluſte des Familiengutes Mertſchütz endete. Unter ſeinem Kummer erlag der Alte, und der Sohn, unſer Hans von Schweinichen, benutzte dies, von dem Herzoge ſich einſtweilen loszumachen; er kehrte den 20. März 1577 bei ſeiner Familie wieder ein.„Zog mit J. F. Gnaden auf 6 Tage weg und bin hernach 2 ½ Jahre außen geweſen und habe in ſolcher Zeit meinen lieben Herrn Vater verloren, mit dem ich mich dergeſtalt nicht geſegnet hatte, ihn nicht mehr zu ſehen. Habe auch im Wegziehen nicht mehr als ein Kleid und 10 Rthlr. Zehrung gehabt, und wird ſolche Reiſe 833 Meilen an⸗
laufeñ, dem Partikular nach, ſo ich gezogen habe.“
Endlich ließ ſich der Herzog im Septembek 1577 durch ſeine Anhänger bewegen, wieder in ſein Land zu kommen, das nach des Kaiſers Beſchluß der Bruder Friedrich IV. regierte. Er wurde von ſeinen Freunden feierlich empfangen und ſein erſtes Wort war:„Nun, hier habt ihr mich, was wollt ihr mir geben?“ Mit ſeiner Ruͤckkehr ging aber die Verwirrung im Lande recht an, beide Parteien neckten ſich, und die armen Bewohner wußten am Ende nicht, zu wem ſie ſich halten ſollten, um ſo weniger, da ſie der Eine wie der Andere ausſog. Herzog Heinrich gerieth nicht ſelten in die gemeinſte Noth und lebte in ſeinem Lande mehr wie ein Freibeuter, als wie ein Fürſt.
Auf dieſe Zuſtände kommen wir vielleicht ſpäter noch einmal zurück— ſie geben ein nichts weniger als anſprechendes Bild jener Zeiten.


