Jahrgang 
4 (1858)
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Von Paul Heyſe. 13

haben würden. Und doch Sie ſehen, wie ernſtlich ich in Verlegenheit bin komme ich zu Ihnen und will hier Rath und Hülfe holen. Sie verſprechen ſich mehr von mir, als ich mit dem beſten Willen werde halten können.

Sie können, Eugenie; hören Sie nur, um was es ſich handelt. Ich war alſo mit unſerm Freunde draußen, einen ganzen Tag, immer in ihrer Geſellſchaft.Das iſt wenig und viel, wie man's nehmen will. Sie haben Recht. Es iſt genug, um ſich der Reihe nach in alle drei Schweſtern zu verlieben und viel zu kurze Zeit, um Einer den Vorzug zu geben. Man mußte geradezu das ganze Neſt auf einmal ausnehmen.

So unflügge ſind die Vögelchen, daß ſie ſich's gefallen ließen?

Ehrlich geſagt, daran habe ich nicht einmal gedacht. Für mich iſt zunächſt die Hauptſache, in einen rechten Rauſch für Eine hineinzukommen, daß ich die beiden andern gar nicht mehr auf der Welt glaube. Und das hält ſchwer, beſte Freundin, ſchwer bei einem ſo alten Menſchen wie ich bin.Sind denn alle drei ſo völlig gleich unwiderſtehlich?Alle drei zum Küſſen, und eine jede auf ſo eigne Art, daß man meint, man könne mit Einer allein nicht zufrieden ſein, wenn man die andere daneben ſieht. 4

Sie berichten mir viel zu ſehr in allgemeinen überſchwänglichen Aus⸗ drücken. Ich wünſche alles haarklein und hubſch in der Ordnung zu erfahren. Alſo erſt die Blonde, dann die Braune, dann die Schwarzlockige.

Oder wie folgen ſie im Alter aufeinander?Ich weiß nicht.So gehen wir der Größe nach und fangen bei der Kleinſten an. Iſt es die Braune?Ich weiß wirklich nicht.Sie ſcheinen Ihre Zeit ſchlecht

benutzt zu haben. Oder war die dreifache Bezauberung gleich von vorn⸗ herein ſo ſtark, daß Ihre Sinne Sie im Stiche ließen?

Einen hohen Grad von Zurechnungsfähigkeit darf ich mir allerdings nicht nachrühmen, erwiderte er lachend.Ich entſinne mich kaum einer ſo fatalen Empfindung, als die war, mit der ich hinausfuhr. Zum Zahnarzt zu muſſen, iſt ein Feſt dagegen. Mehrmals war ich drauf und dran zum Kutſchenfenſter hinaus zu entſpringen. Aber die Pferde meines Herrn Vetters hätten mich bald wieder eingeholt, und ich wäre mit Schimpf und Schande dennoch meinem Dämon ausgeliefert worden. Denn ſo ſanftmüthig unſer Freund im Uebrigen iſt, in dieſem Punkt kennt er keine Gnade. Ich alſo, mir Muth zu machen, denke an alles Schlimme, das mir ſchon im