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Von Melchior Meyr. 3
mochte. Er wurde Schneider, weil es ſein Vater war, trieb Aber das Handwerk in geſunder Abwechſelung mit der Landwirthſchaft, und es bekam ihm und er behauptete den Ruf, den er ſich als lediger Burſch im Meiſtern und ernſtlichen Fauſtkampf erworben hatte, bis in ſein reiferes Alter. Als einſt ein reicher Bauer aus dem untern Ries, den ein Geſchäft ins Dorf und der Durſt ins Wirthshaus geführt hatte, nach Vertilgung der zweiten Maß Braunes den Mann mit einem gewiſſen Hochmuth anredete, und von der rückſichtsloſen Erwiderung beleidigt, ihn verkächtlich als„Schneider“ behandelte und ſchmähte, erhob ſich unſer Mann, packte ihn und warf ihn zur Thuͤre hinaus. Schäumend vor Wuth, obſchon etwas hinkend, drang der Bauek wieder herein und wollte auf den Frechen losgehen; Bekannte traten dazwiſchen.„Was,“ ſchrie der Gedemüthigte,„von einem Schneider ſoll ich mir ſo was gefallen laſſen?“—„Jetzt das iſt halt einmal ein ſolcher,“ entgegnete man ihm, und der Bauer konnte nichts thun als ſchim⸗ pfend einſpannen laſſen und davonfahren, während Eber ſchmunzelnd ſeine Maß austrank und noch eine zweite kommen ließ„auf den Schrecken.“ Das Siegesgefühl, das aus ſeinen Mienen ſprach, hatte nun doch einen beſondern Charakter. Ein Schmied oder Zimmermann hätte durch eine ſolche That nur das Ordentliche gethan, der Schneider that das Außerordentliche, und das Bewußtſein, durch eine ſolche Leiſtung ſeinen Stand gerächt zu haben, verſtärkte den Ausdruck des Triumphes auf ſeinem Geſicht durch einen Zuſatz von Schelmerei, der ihn förmlich pikant erſcheinen ließ. Die Dorfgenoſſen betrachteten ihn mit großem Vergnügen, und auch ein paar„Vettern“ des Bauern konnten's nicht laſſen, ihn lächelnd einen„verfluchten Kerl“ zu nennen.
Balthaſar Eber war zweimal verheirathet und begrub die zweite Frau noch in den Dreißigen ſeines Lebens. Die erſte war durch Sanftheit und Gutmüthigkeit faſt ein Engel zu nennen, zartgebaut, hübſch und von Herzen fromm; die andere, von derber Conſtitution und ſelbſtſüchtiger Gemüthsart, nöthigte den Mann zuweilen, ihr die Fauſt zu weiſen, und einmal, ſeine Oberherrlichkeit thatkräftig feſtzuſtellen, wurde aber als tüchtiges Hausweib von ihm nicht weniger betrauert, als die Gute. Jede hatte ihm einen Sohn geſchenkt. Der ältere, Tobias, war das Abbild der Mutter, der jüngere, nach dem Großvater Kaſper genannt, ließ Vater und Mutter gleichmäßig erkennen.
Tobias iſt im Ries kein gewöhnlicher Name. Der Schneiderſohn hatte
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