480 Aus der Vergangenheit. Von Johannes Müller.
Solche Klauen von Elendthieren, Einhorn, Bibergeil, vorzuüͤglich Bernſtein, ſollten beſonders heilſame Kräfte, zumal Krankheitsſtoffe abzuleiten, haben. Deßhalb ergingen an die Fürſten, in deren Gebieten dieſe Arcana vorka⸗ men, ſehr häufig die dringendſten Geſuche darum, und auf der andern Seite machten die Fürſten an ihnen Befreundete damit die willkommenſten Geſchenke. Die Elendsklauen galten für ein kräftiges Heilmittel gegen Schlagflüſſe, mußten aber, wenn ſie wirkſam ſein ſollten, zwiſchen zwei Feſttagen der Maria (welchen, iſt nicht angegeben) von dem Thiere genommen ſein.
Der Graf Wilhelm von Henneberg ſchrieb an den Herzog Albrecht von Preußen:„Wir bitten noch um etliche ‚rechte Elendsklauen’(d. h. die vom Thiere um die eben erwähnte Zeit genommen ſind), denn die große Krank⸗ heit iſt dieſes vergangene Jahr hieraußen ſehr umgegangen, damit, ob es heuer auch alſo geſchehen ſollte, wir den Leuten deſto beſſer damit helfen können, denn wir der Elendsklauen nicht alſo viel bekommen, als wir Bittens darum haben, weil die Leute erfahren, daß E. L. uns je zu Zeiten derſelben zuſchicken. Auch iſt unſere freundliche Bitte, dieweil uns E. L. ein Recept für den Schlag zugeſchickt haben, ob uns E. L. auch ein Recept oder Kunſt ſchicken oder zu Wege bringen könnten, die dazu wäre, dem Schlage vorzukommen, ehe er einen rührt; denn wir haben etliche Freunde, denen wir damit zu Hülfe kommen könnten; da thäten uns E. L. auch einen freundlichen Gefallen daran.“
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