466 Britiſch⸗Guyana.
Keſſel des fünften Alters iſt von Kupfer und nur etwa halb ſo groß als ſeine jüngeren, eiſernen Geſippen.
Die drei erſten„Alter“ haben nun zwar nichts Höheres zu erzielen, als den Ueberſchuß an Waſſer und Unreinigkeit zu ermäßigen, die dem jungen Safte noch anhaften, und während des Kochens zu hoch aufſprudelndem Giſchte vereinigt, mit großen hölzernen Meſſern fortwährend über den Keſſel hinabgeſtrichen werden, indeſſen darf es auch bei ihnen an ſteter Auf⸗ merkſamkeit nicht fehlen, und eine Hauptbedingung des Gelingens für ſte, wie für das vornehmere Aelteſtenpaar, liegt in einer ſtrengen Regelung des Macasfeuers. Die Konverſation während des Betriebs beſchränkt ſich daher faſt ausſchließlich auf die des Tags wohl hundertmal erſchallenden Kom⸗ mandorufe der Sieder:„Shop fire!— stach fire!“— worauf genau eben⸗ ſo oft das willfährige„Ay ay!“ der Heizer vernommen wird.
Im vierten Keſſel muß der Saft die Dicke eines ſehr ſchweren Syrups, bei Leibe nicht mehr, noch minder erreichen. Obwohl nun die ängſtliche Sorge, alle ſchädlichen Einflüſſe von dem werdenden Zucker ferne zu halten, ſo weit geht, daß ſelbſt der Duft mancher Früchte gefürchtet wird und es z. B. ſtrenge verpönt iſt, während des Prozeſſes Limonen auch nur in der Taſche zu tragen, ſo ruhen auf dem vierten Keſſel doch mancherlei theils Indulgenzen, theils Obliegenheiten im Intereſſe des Gebieters ſelbſt. Stei⸗ nerne Kruken werden mit dem eingekochten Safte gefuͤllt und zu Markte geſchickt, um anſtatt des Honigs, den die Bienen des Landes in ſchlechter, unbeliebter Waare erzeugen, als leckere, zuträgliche Koſt von Geſunden und Kranken genoſſen zu werden; dem Sieder iſt geſtattet, Cocoskerne und Plantains mitkochen zu laſſen, die nun von Süßigkeit durchdrungen eine Confiture von köſtlichem Wohlgeſchmack abgeben. Als wichtigeres Neben⸗ produkt endlich betrachtet man die in Zuckerſaft eingelegten Tamarinden (Sauerdatteln), die von Oſt⸗ und Weſtindien, in beſonderer Güte aber von Java und Guyana, als Näſcherei zugleich und als Antidoton gegen Gallen⸗ affektionen maſſenhaft nach England und dem Continente verbracht werden. Wir erhielten zu dieſem Behufe die ausgehülsten an der Sonne getrockneten Früchte von an ſich angenehmer, aber ſehr concentrirter Säure in irdene Töpfe eingelegt, die von den wilden Indianern in beſonderer Brauchbarkeit und Sauberkeit gefertigt werden. Dieſe Töpfe werden mit den trockenen Früchten bis an den Rand gefüllt, hierauf der Saft des vierten Alters


