Die alte Erlaucht.
Eine Erzählung von
Edmund Hoefer.
Erſtes Kapitel. Stillleben.
„Alſo deutſch heraus, mon neveu,— wollen Sie mit mir nach Königshofen hinüber kommen, oder nicht?“ fragte ſie ein wenig verdrießlich und legte dabei die Hand an die Mähne des Pferdes, welches der alte Leib⸗ jäger am Zügel hielt, als wolle ſie ſich auf die Antwort hin gleich in den Sattel ſchwingen.— Der junge Mann ſchüttelte mit einem ſchelmiſchen Lächeln den Kopf.„Nicht kapabel, liebe Großtante,“ ſagte er dann.„Seit die Seejungfer drüben iſt— ſie iſt doch noch dort, Tantchen?— ſcheints mir gar nicht mehr geheuer.“— Sie zog die Hand zuruͤck und ſetzte ſie bequem in die Seite.„Du biſt ein Narr, Hugo,“ verſetzte ſie dabei;„was haſt du gegen die Diana?“—„Ich, Tantchen? Viel! Vor allen Dingen— wir paſſen beide gar zu ſehr zu einander! Da könnte es in Wahrheit heißen:
Ich hab' Euch erkannt beim erſten Blick
An Eurem ſpöttiſchen Knixe—
Du biſt kein irdiſches Menſchenkind,
Du biſt mein Mühmchen, die Nixe! Brr!“ ſetzte er ſich ſchüttelnd hinzu,„das könnte eine gefährliche Geſchichte werden! Fordern Sie den Teufel nicht heraus, Tantchen! Königshofen— das ganze alte Gemäuer, würde wenigſtens ſicher auf den Kopf geſtellt, wenn wir zwei da zuſammen unſer Spiel hätten!“
Sie war herzlich lachend wieder näher zu ihm getreten und zupfte ihn jetzt leiſe am Ohr.„Verſuch's immerhin einmal, du Uebermuth,“ ſprach
Hausblätter. 1858. I. Bd. 1


