Jahrgang 
4 (1857)
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Skizzen aus Chili.

Von Ernſt Freiherrn von Bibra.

(Schluß.)

Leider aber ſollten wir für das Erſte uns gar nicht mit ſo weit aus⸗ ſehenden Plänen beſchäftigen können, denn nachdem wir die Mühlen kaum eine Stunde verlaſſen hatten und auf der Ebene dahinſprengten, ſahen wir einen Trupp Reiter hinter uns und ein kurzer Augenſchein zeigte, daß es die uns verfolgenden Leute der Polizei und beſſer beritten als wir und an Zahl uns wohl dreimal überlegen waren. Nun galt es einen raſchen Ent⸗ ſchluß zu faſſen, welcher nach kurzer Ueberlegung dahin ausfiel, uns ſee⸗ wärts zu wenden, d. h. nach der ſogenannten Küſten⸗Cordillera zu. Dieſer Gebirgszug erhebt ſich bekanntlich längs der ganzen chileniſchen Küſte in einer Höhe von 1500 bis 2000 Fuß, mit häufig ſteil gegen die See ab⸗ fallenden Wänden. Der größte Theil dieſes Gebirges iſt zugleich meiſt mit Wald bewachſen, von quer durchlaufenden Schluchten durchzogen, und hat eine Breite, die an manchen Stellen kaum zwei Stunden, an andern drei bis vier Leguas beträgt. Einmal im Schutze des Waldes wollten wir uns trennen, um wo möglich unſere Verfolger auf falſche Fährten zu führen. Im Herzen mochte wohl jeder von uns hoffen, daß die ſeinige unbeachtet bleiben würde.

Kaum hatten wir uns aber dem Walde zugewendet, als die Häſcher, welche auf der weiten Fläche, die dort den Weg nach Santjago bildet, uns ſchon längſt ins Auge gefaßt hatten, uns auch ſogleich den Weg dorthin abzuſchneiden ſuchten. Da wir indeſſen glücklicher Weiſe einen noch immer bedeutenden Vorſprung hatten, gelang es uns, die nächſte Schlucht zu er⸗ reichen, in welcher wir ſo lange zuſammen blieben, wie es das Terrain erlaubte. Als aber die Sohle der Schlucht ſich in verſchiedene kleine Waſ⸗