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Von Fanny Lewald.
ihm nicht erfüllt, die erſte nicht zu verbergende Niederlage, welche ſeine Citelkeit erlitten hatte, es ließ ihm keinen Frieden, keine Ruhe. Er hätte ſich am liebſten gleich in ein neues Abenteuer ſtürzen, eine neue Bewerbung anfangen mögen, um ſich zu zerſtreuen, um der Baronin zu zeigen, wie leicht er ſie verſchmerze, und um wo möglich ſchnell einen Erfolg zu er⸗ ringen, über den man das Geſchehene vergaß. Aber keine der andern Frauen und Mädchen ſchienen ihm die Baronin aufzuwiegen; er wollte nicht von ſich ſagen laſſen, daß der Liebesverdruß ihn genügſam mache, und während es ihm noch unerträglich ſchien, ein ſpöttelndes Bedauern einzuflößen, wurde er krank.
Die Aerzte ſagten, ſeine ganze Lebensweiſe habe ſeine Nerven über⸗ reizt; die Mutter hielt ihn für das Opfer einer unglücklichen Liebe, und er ſelbſt ſah ſich dafür an, obſchon der Vater der Anſicht war, daß die Ein⸗ bildungskraft ſeines Sohnes die Haupturſache ſeiner Leiden ſei. Die That⸗ ſache aber ſtand feſt,— er war ohne Schlaf, ohne Spannkraft, ohne Le⸗ bensluſt, und das einzige, was ihn zuweilen aus ſeiner Schlaffheit empor⸗ riß, war der Eifer, mit dem er die Baronin gegen die Angriffe ſeiner Mutter vertheidigte, welche ſie jetzt offen eines herzloſen Spieles gegen Her⸗ bert bezüchtigte. Dieſer Eifer und dieſe Großmuth befriedigten ihn weſentlich. Er machte ſich daraus ein Bewußtſein über ſich ſelbſt und über die Stärke ſeiner reinen Liebe. Er hatte mit einemmale ganz idylliſche Gefühle und ver⸗ ſank ſo tief in ſeinen vermeintlichen Herzenskummer, daß ſeine Abſpannung ſich ſteigerte, und die Eltern in wirkliche Sorge um ihn geriethen.
Emilie theilte dieſe bald von Herzen. Sie hatte Anfangs geglaubt, daß Herbert nur zu wollen brauche, um auch zu geneſen, und ſie that das Ihre ihn zu zerſtreuen; indeß die Tage gingen hin ohne eine Aenderung zu bringen. Zwar erheiterte er ſich, wenn ſte ihm und der Finanzräthin vorlas, wenn ſie ihn dahin vermochte, ein leichtes Muſikſtück mit ihr vierhändig durchzunehmen, wenn ſie ihm gutlaunig von ihren Erlebniſſen in ihrem Vaterſtädtchen erzählte. Er ſah es auch gern, wenn ſie in Abweſenheit der Mutter ihm allein Geſellſchaft leiſtete, ſtill mit ihrer Näharbeit in ſeinem Zimmer beſchäftigt, bereit jedem ſeiner Winke Folge zu leiſten; immer aber wollte kein rechter, neuer Anſtoß in ſein Leben kommen, und man fing an. ſich mit den Hoffnungen für ihn auf das Frühjahr zu vertröſten, als ein unerwarteter Wechſel in ſeinem Befinden geſchah.
Es war zu Ende des Februar, und ein heller klarer Wintertag. Her⸗ bert hatte ſich am letzten Abende noch beſonders muthlos gezeigt, und der


