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480 Eine Fahrt durch Rügen. Von Friedrich Lampert.
großen und kleinen Bequemlichkeiten des Lebens; allein Häringsdorf hält ſeinen idylliſchen Charakter feſt. Die Wohnungen ſind ländlich einfach, der ganze Hauch des Badelebens iſt ein freier, der die trübe Atmoſphäre der großen Welt ferne hält. Ich habe noch niemand mit Reue, ohne Sehnſucht von Häringsdorf ſprechen hören.
Fragſt du nach dem, was die Badeſaiſon bietet, nach Theater, Muſik, — von dem allen iſt wenig oder nichts da. Darf ſo etwas auch da ſein, wo du am Meere biſt, ſo nah, ſo traulich mit ihm, und wo ſich dir zu jeder Stunde etwas Neues, Großes bietet, was alles menſchlich Geſchaffene vergeſſen macht? Das Meer allein kann hier das Leben beſtimmen, ſogar die näheren und ferneren Ausflüge von Häringsdorf ſtehen mit ihm in innigſter Verbindung, du magſt nun den Strand entlang nach dem nicht allzuweit entfernten Swinemünde wandern oder im leichten Fiſchernachen über die Trümmer Vinetas hin nach dem Streckelberge rudern oder auf dem Dampfer in weiterer Fahrt nach dem reizenden Putbus ziehen.
Das war es, was ich in Häringsdorf erkundete. Der Abend nahte ſchnell, ich mußte eilen, nach Swinemünde zu kommen.
Als es wieder Abend war, lagen die Strandbilder der Oſtſee ſchon in weiter, räumlicher Ferne, und in den glänzenden Räumen des Berliner Opernhauſes, am Jubeltage des Dichterkönigs, ſchaute ich ein anderes Bild von einem andern Meere,—„Iphigenie auf Tauris!“
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