Jahrgang 
2 (1857)
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10 Die Kriegskaſſe.

Wir brachen auf; aber nun ſtand wieder der Mundl wie eingewur⸗ zelt im Schänkzimmer und ſtarrte den Meier Hannes an. Wir mußten ihn gewaltſam fortreißen. Ich wußte wohl, was es mit ihm hatte, kannte ich doch ſo halb und halb ſeine Liebſchaft mit der Heger Marie und konnte ich mir denken, daß er ahnte, welcher Streich ihm drohte. Wir kamen ins Wällehaus und fanden alles, wie es gemeldet war; wir ließen uns noch einmal den ganzen Hergang erzählen, auch die letzten Worte des Sterben⸗ den wurden uns nicht verſchwiegen. Aber keiner von uns konnte oder mochte ihnen eine Deutung geben. So verließen wir das Haus mit dem Ver⸗ ſprechen, den todten Mann noch in der Nacht wegſchaffen zu laſſen, was auch geſchah.

Wenn aber auch niemand auf die Worte des ſterbenden Flurſchützen weiter achten wollte, die Babet hielt ſie nur zu feſt im Sinn und gab ihnen eine furchtbare Deutung. Am andern Morgen war ſie zeitig bei mir und ſagte:Hört, Gerichtsſchöppe, Ihr wißt, was der arme Hannaugl im Sterben geſagt, und wißt auch, was er ſonſt geredet hat, wenn er's unter der Mütze hatte ich hoff, Ihr werdet darüber Anzeige bei Amt machen. Wozu? fragte ich,was ſoll ich das ungekochte Geplauſch vor Amt bringen? Daß mich die Schreiber auslachen?Das werden ſte nicht, erwiderte ſie;wenn's Beamte ſind, die aufs Recht ſehen, dürfen ſie's nicht. Hört auch, was der Hannaugl nächten noch geſprochen hat, eh' er vor mein Haus kam. Und ſie erzählte, was die beiden Liebesleute gehört hatten. Das klang freilich mir ſelbſt nicht geheuer, ja ich glaub', es hat mir einen Stich durch's Herz gegeben.Was ſagt Euer Sohn dazu? fragte ich, weil ich ſonſt nichts zu ſagen wußte.Der Mundl iſt ein verſtändiger Menſch, er wird beſſer wiſſen als ich, was von der Sach zu halten. Ach, mit dem iſt heut nichts anzufangen, gab ſie zur Antwort;der iſt lauter Angſt um ſein Madl. Ihr waret doch auch beim Leihkauf, iſt es denn wahr, daß da der alte Heger die Marie an den Meier Hannes ver⸗ handelt hat?.

Ich erzählte ihr, was geſchehen war. Die gute Frau ſchlug die Hände zuſammen, weinte und rief:Ach mein armer Mundl, mein armer Mundl! Dann aber trocknete ſie haſtig die Augen und fuhr fort:Aus dem Handel wird nichts! Will der Meier Hannes meinen Mundl unglück⸗ lich machen, ſo will ich ihn dahin bringen, wo ihm's Freien vergehen ſoll! Und ohne Adieu wollte ſie zur Thür hinaus. Aber ich erfaßte ſie