Jahrgang 
1 (1857)
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VI

Iſthmus von Suez, ein langer Arti⸗ kel, verfolgt ſo genau wie möglich alle Durchſtechungsverſuche, die ſeit der älte⸗ ſten Zeit gemacht wurden, und führt uns die neuſten Unternehmungen, ein Bild des Landes, des Bodens, der Bewoh⸗ ner, des Handels höchſt inſtructiv vor. Der preußiſche Miniſter von der Heydt, Adelaide Riſtori, Bogumil Dawiſon, die Gußſtahlfabrikation, Graf Morny, James Buchanan und eine Menge klei⸗ nerer Mittheilungen bilden den übrigen, wie man ſieht, reichen und nach allen Seiten intereſſirenden Inhalt in licht⸗ voller und den Stoff ſo weit möglich erſchöpfender Darſtellung. Wir empfeh⸗ len dies Unternehmen, das durch die Billigkeit der Hefte jedermann zugäng lich wird, dem Publikum und ſehen mit Intereſſe der Fortſetzung entgegen. An Stoff kann es nicht fehlen, unſere Zeit bringt ihn von Tag zu Tag reichlich ge⸗ nug hervor.

Nach fünf Jahren. Pariſer Stu⸗ dien im Jahre 1855, von Adolf Stahr. 2 Thle. Oldenburg. Schulzeſche Buch⸗ handlung. 1857. Das ausgezeichnete Buch, welches wir zum Schluß unſerer diesmaligen Ueberſicht anzeigen, bietet uns in zwei Bänden die Reſultate der Beobachtungen dar, welche Adolf Stahr zur Zeit der großen Ausſtellung in Paris anſtellte und in deren Kreis er nicht nur die eigentliche Ausſtellung, ſondern die meiſten Seiten des öffentlichen Lebens von Paris zog. Die ſcharfe Auf faſſung und Durchdringung, die geiſt⸗ volle Ausführung und die glänzende Darſtellung, an welche uns der Ver⸗ faſſer in ſeinen Schriften gewöhnte, finden wir auch hier wieder im reichſten Maß, und wenn hier auch nicht der Ort ſein kann, genauer auf die ein⸗ zelnen Abſchnitte einzugehn, in denen

er die Skulptur und Malerei behandelt, aus den Theatern berichtet und von ſei⸗ nem Beſuch bei dem ſterbenden Heine erzählt, ſo müſſen wir doch das Publi⸗ kum dringend auf jeden dieſer Artikel hinweiſen, die für jedermann eine Fülle des Anziehenden und Belehrenden ent⸗ halten. Eins der intereſſanteſten, wo nicht das intereſſanteſte Kapitel iſt das, in dem der Verfaſſer überDeutſche Kunſt und franzöfiſche Kritik redet und die grenzenloſe Ueberhebung, die Leicht⸗ fertigkeit, ja Unwiſſenheit der franzö⸗ ſiſchen Kritiker in's ſchärfſte Licht ſtellt. Wir danken dem Verfaſſer nicht nur dies, wir danken ihm überhaupt die Anerkennung und Vertretung, die er den heimiſchen Kunſtbeſtrebungen, der maßloſen Arroganz und Ignoranz der Fremde gegenüber, überall aufs wärmſte zu theil werden läßt. Gott weiß, die alte Klage über das geringe Selbſtge⸗ fühl in unſerem lieben Deutſchland, über die kindiſche Beſcheidenheit, die bis zur Verkennung und Mißachtung alles heimiſchen Verdienſtes geht, über die ebenſo kindiſche Anbetung alles Frem⸗ den, über die Demuth, mit der man ſich jedem fremden Ausſpruch unterwirſt, ſei er auch noch ſo albern und noch ſo frech die alte Klage beſteht mehr oder weniger noch immer zu Recht. Und uns dünkt doch, daß wir, abge⸗ ſehen von allem Andern, grade auf dem Felde der Kunſt ein Selbſtgefühl nicht nur haben dürfen, ſondern haben müſ⸗ ſen, wie keine andere Nation auf der Welt. Wann es aber dahin kommen wird, das weiß allein Gott. Das Buch bedarf keiner beſondern Empfehlung, der reiche Inhalt und die muſterhafte Bear⸗ beitung deſſelben, ſowie der Name ſeines Verfaſſers ſichern ihm die weiteſte Ver⸗ breitung und die lebhafteſte Theilnahme.