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Der Kaiſer-Jäger im Paſſeyerthal.
Reiſe⸗Erinnerung von
Julius von Wickede.
Unter den verſchiedenen kleinen Seitenthälern, die vom Paſſeyerthal ſich abzweigen, iſt eins der wildeſten das Kalmthal. In tiefer Einſamkeit und von Felſen und Wäldern umgeben, hängen hier die einzelnen Bauern⸗ höfe an den ſteilen Bergabhängen, die im Winter oft die verheerenden „Lahnen“(Lawinen) auf ſie herabkommen laſſen. So wild iſt die Einſam⸗ keit hier, daß die Schnee⸗ und Steinhühner ohne Scheu vor den Menſchen bis an die einzelnen, beſonders abgelegenen Häuſer herankommen und bis⸗ weilen ihre Neſter unter den hervorragenden Schindeln der Dächer anbringen ſollen. Das Pfeifen der Murmelthiere, das Balzen der Auerhähne ſind außer dem Gebrüll der Kühe und dem Meckern der Ziegen oft wochenlang die einzigen Töne lebender Weſen, welche die Bewohner dieſer Berghöfe zu hören bekommen. Die Bergpfade, welche zu den Häuſern führen, ſind dabei ſo ſteil, daß nur ein von Jugend auf daran geübtes Saumroß, mit geringer Laſt beladen, dieſelben hinaufzuklettern vermag, und jähe Abgründe umgeben oft nur wenige Schritte davon das Haus, ſo daß die frei umher ſpielenden Kinder ſich in denſelben mitunter zu Tode fallen. Gibt es doch einzelne Bauernhöfe hier, die an ſo ſteilen Abhängen, gleichſam in den Berg hinein gebaut ſind, daß im Volksmunde von ihnen die Rede geht:„Wenn der Bauer Heu aus ſeinem in der Nähe liegenden Stall holen wolle, ſo müſſe er ſich dazu erſt die Steigeiſen anſchnallen, weil es ſonſt zu gefährlich ſei dahin zu klettern.“
Im Winter iſt durch den tiefen Schnee oft der Weg nach dieſen Berg⸗ höfen auf mehrere Wochen, ja ſelbſt Monate unmöglich gemacht, und die


