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Der Thalhof.
Unwahrheit— mir?“ entgegnete Alma.—„Haben Sie nicht den Stand Ihres Vaters verläugnet und mir ſomit auch den meinigen ſtreitig gemacht?“ Alma ſah die Mutter an, welche ſogleich entgegnete:„Laſſen Sie uns ſpäter darüber ſprechen, Clemens. Wir werden ja nun Zeit haben, uns recht gründlich und wohlthuend auszuſprechen.“ Sie hatte die Thüre des Hauſes erreicht und Clemens warf einen verſtohlenen Blick nach dem leeren Mauer⸗ felde über derſelben: er hatte hier das Wappen ſeines alten Geſchlechts geſucht, das über der Thüre ſeines Vaterhauſes, welchem der Thalhof augenſcheinlich nachgebildet war, mit ſeinen vielen Feldern, den drei gekrön⸗ ten Helmen und zwei Schildhaltern prangte. Warum fehlte es hier?
2.
Schwager und Schwägerin waren nun allein im Wohnzimmer zu ebener Erde, während Alma auf einen Wink der Mutter gegangen war, Erfriſchungen für den Oheim zu beſorgen: köſtliche Rieſenerdbeeren, welche ſie ſchon in aller Morgenfrühe im Garten gepflückt hatte.
„Daß aber Cajetan nicht zu Hauſe iſt!“ begann Clemens.„Wann erwarten Sie ihn?“—„Morgen Abend ganz gewiß— er hat es beſtimmt verſprochen und iſt immer auf die Minute pünktlich.“—„Das iſt mir ſehr lieb, denn länger—“.—„Verſteh' ich Sie recht, länger wollen Sie nicht bleiben?“ rief die Frau vom Hauſe.„Was kann Sie drängen? Sie haben mir ſelbſt geſagt, daß ſie noch keine bleibende Wohnſtätte, folglich auch keine häuslichen Sorgen haben. Nein, Clemens, nach ſo langer Trennung dürfen Sie uns nicht wieder verlaſſen— Sie müßten denn—“ ſetzte ſie zögernd hinzu—„noch immer gegen meinen armen Cajetan die unbegreifliche Ent⸗ fremdung hegen, welche ihn, ſo oft er Ihrer gedachte, betrübt hat.“
Clemens hatte gleich beim Beginn ihrer Rede ſeine goldene Tabatière hervorgezogen, aus welcher er haſtig eine Priſe nahm: es war das noch eine diplomatiſche Reminiſcenz, vergleichbar dem Auskunftsmittel, womit auf der Bühne routinirte Schauſpieler, oft des erſten Ranges, die ſogenannten Kunſtpauſen zu füllen wiſſen.„Cajetan thut mir unrecht,“ ſagte er dann, „gewiß ſehr unrecht, wenn er denkt, daß ich mich ihm entfremdet habe. Ich war aus allen heimiſchen Verhältniſſen entfernt, war von ſo vielen Miſſio⸗ nen, bald hier, bald dort in Anſpruch genommen, daß ich wohl— jenen Schein auf mich laden mußte. Cajetan wird ſich eines Beſſern überzeugen,


