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82 Der Nebenbuhler im Traum.
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ſehr genau kennen muß, um ſie zu lieben, denen man dann aber auch für das Leben ergeben bleibt. Nicht ſchön, nicht talentvoll, nicht geſprächig, im Gegentheile melancholiſch und verſchloſſen, fehlte ihr dennoch keine der inne⸗ ren Eigenſchaften, und ihr ernſter, gebildeter und tiefer Geiſt war ihres makelloſen Charakters vollſtändig würdig. Drum hatte ihr Mann ſie auch angebetet und geliebt, wie es wenigen Frauen zu theil wird. Aber ſchon nach einjähriger Ehe mußte der Oberſt mit Napoleon nach Rußland ziehen, von wannen er nicht wiederkehrte, ſo daß er ſein Kind, die kleine Leonore, nie zu ſehen bekam, da ſie erſt einige Wochen nach ſeinem Abmarſch geboren wurde.
Die kleine Leonore vermißte aber den Vater nicht, denn wenn auch die Mutter ihr viel von ihm erzählte und ihn rühmte und pries und das Kind ihn deßhalb in ſeinem fernen und kalten Grabe liebte und verehrte, ſo erfüllte doch die zärtliche Mutter ſo ſehr alle kleinen Herzenswünſche der Tochter, daß dieſer nichts von einem Dritten zu verlangen übrig blieb und wäre es der eigene Vater geweſen.
„Leonore ſoll glücklich und jung ſein,“ ſagte die Mutter,—„ich muß in ſolcher Reihenfolge reden, denn ohne erſteres iſt letzteres nicht möglich, nur wer glücklich iſt, iſt jung, und nicht umſonſt gräbt als Warnung das erſte Unglück die erſte Falte in die glatte Stirne. Es gibt ſo wenig junge Leute, aber nicht bei allen hindert das Unglück die Entfaltung der Jugend⸗ blüthe; bei vielen iſt es auch die übermäßige Klugheit, die ſte von einem Glücke ausſchließt, welches ſelbſt die Geſetze anerkennen, indem ſie ihnen einen Vormund geben und keine Verantwortung aufladen. Wie viele acht⸗ zehnjährige Mädchen bedürfen heutzutage noch eines Vormunds? Ich fürchte ſehr wenige, und zwar nicht in Folge jener Eigenſchaft, von welcher Schil⸗
ler ſagt: Und was kein Verſtand der Verſtändigen ſieht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth—
Nein, in Folge eigentlicher„Klugheit,“ der Klugheit, deren höchſte Blüthe die Männer zu berühmten Advokaten und die Frauen zu Diploma⸗ tinnen macht; der einzige Stand im Staate, wo ihre Hülfe nicht verſchmäht, ihr Einfluß nicht geleugnet wird.“—
„Du thörichte Jungfrau!“ ſagte Frau von Neumann eines Abends lächelnd zu ihrer Tochter, als ihr dieſe mit ſtrahlenden Augen von den vielen Freundſchafts⸗ und Liebesbeweiſen erzählte, die ſie bei einem Beſuche in der Stadt im Hauſe einer Jugendfreundin ihrer Mutter erhalten.—„Warum


