Mädchenbriefe.
im Frühling ſollte die Hochzeit ſein, da wollte er wiederkommen, um ſie zu holen.
Nun iſt es eine eigene Sache; die Bertha war ſo ein frommes Kind und hatte in frühen Jahren ſchon ihr Herz zum Tode bereitet; oft und oft, noch eh ſte Braut war, noch als ein halbes Kind voller Leben und Geſund⸗ heit, hat ſie mit mir vom Sterben geſprochen;— ſeit ſte aber den Huſten hatte, war es, als ſei der Gedanke an den Tod wie weggewiſcht von ihrer Seele. Wir nähten und nähten an der Ausſteuer wie ſonſt, aber es war nimmer ſo luſtig, ſte konnte wenig ſchlafen vor Huſten und ſpät aufſtehen, aber heiter war ſie immer.„Es ſei ein recht hartnäckiger Katarrh,“ meinte ſte,„bis zum Frühjahr aber, da ſei ſte ganz geſund;“ und ſie ſchrieb Briefe voll Hoffnung und Leben, trug ihr Myrthenbäumchen jedem Sonnenſtrahl nach und ſprach tagelang davon, wie ſie ihr künftig Haus einrichten wolle, — der Bräutigam hatte ein Bildniß davon geſchickt, es war ein ſchönes Jagdſchlößlein,— die Mutter und ich ſahen einander oft nur an und ſagten nichts.
Da kam der Frühling und kam der Bräutigam;— es war am Oſter⸗ ſonntag, ein ſo wunderſchöner Tag und Bertha war ganz weiß angezogen und ſaß im Gärtchen, da kam der Jäger mit raſchen Schritten, wie vor Zeiten zu ihr herein, ſte wollte auf, ihm entgegen,— ſie konnte nicht, es quoll ihr Blut aus dem Munde und über das weiße Kleid. Man trug ſie in's Haus, da erholte ſie ſich bald wieder und ſaß mit ihrem alten Lächeln bei dem Bräutigam auf dem Sopha und verſicherte, es habe gar nichts zu bedeuten.
Er aber war ſehr erſchrocken und bekümmert; ihr Geſicht war freilich ſo ſchön wie immer, aber ihre Geſtalt war dünn und zart geworden, auch konnte ſie nicht mehr bis in den Wald mit ihm gehen.
So blieb er nun ein paar Wochen da, Bertha war immer und immer glückſelig, wenn ſie ihn nur ſah, und klagte nie. Das Brautkleid war fertig, aber niemand redete von der Hochzeit. Nur Bertha ſprach oft und viel von ſeinen Eltern und von ihrer künftigen Heimat. Wir wußten wohl, wie es ſtand, und Alle wollten noch um ſie ſein, ſo lang es nur möglich war, dem Bräutigam aber ſchien's immer weniger wohl zu werden, er wurde auch ſtiller und ſtiller, wenn er ſo bei ihr ſaß. Ach wenn ich dir's nur ſagen könnte, wie ſanft und holdſelig ſie ihn allemal angeſchaut hat.
Einmal war der Doctor da, den Bertha immer verſicherte, es gehe ihr


