Jahrgang 
2 (1855)
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8 Mädchenbriefe.

und die vielerlei kleinen Sachen ablud, da war er nimmer zu halten, und die Magd ſchien mit großem Reſpekt die vielen Sachen zu betrachten, der Knecht aber ſtimmte mit ein, was mich faſt zu Thränen brachte; ein junger Mann, der etwas anders als ein Bauer ausſteht, obgleich er nicht viel beſſer ge⸗ kleidet iſt, nahm raſch und leicht einen Koffer und ein paar Schachteln und trug ſie hinein, allmälig kamen die andern Sachen nach, Großtante hatte mir Thee gemacht und es wurde mir ziemlich behaglich, aber doch anders, ſo ganz anders als ich mir gedacht hatte, warum weiß ich ſelbſt nicht recht.

Der junge Mann iſt eigentlich mein Vetter, obgleich er gar nicht ſo ausſieht, er iſt der Enkelſohn Großonkels, ſeine Eltern leben nicht mehr. Er wäre ſchon ordentlich, ſcheint aber ganz ungebildet, und denke nur, aber ich kann's faſt nicht ſchreiben, auch darfſt Du es niemand ſagen, denk nur, er heißt Tobias; das iſt doch gewiß gar zu ländlich. Aber nicht wahr, behalt es für Dich. Wenn eines der Mädchen wüßte, daß ich einen Vetter habe, der Tobias heißt!

Ich bewohne ein nettes Stübchen, doch iſt es kein bischen ſchauerlich. Noch bin ich nicht recht daheim, das wird aber ſchon gehen, die Tante iſt ſehr gut gegen mich.

Und Du biſt in der Reſidenz, und wir wären jetzt wieder beiſammen!

Sei ſtille mein Herz,, und ſchlage nicht ſo, Iſt alles denn hin, wenn die Liebe entfloh?

Grüße mir alles viel tauſend, tauſendmal, und wenn du in die Sing⸗ ſtunde kommſt, ſo denke an mich, wenn Du in die ſchwarzen Augen ſiehſt, in deren Tiefe mein Glück verſunken iſt; grüßen darfſt Du ihn nicht, auch nicht leiſe; ich wag's nicht im Traum.

Leb wohl und denk an Deine

Fanny.

Wenn Du etwas neues in Schürzen ſiehſt, ſo theil' mir's doch mit;

man geht hier in Schürzen aus.

4 Es fängt ſchon an, ſich hier freundlicher zu geſtalten, wenn ich auch immer noch vieles anders finde, als meine Träume. Wo im Leben iſt das anders? Die Lage von Stauffenberg iſt doch freundlich, der Garten freilich unendlich langweilig, Tante gibt mir aber Erlaubniß, Blumen darin zu