Jahrgang 
1 (1855)
Einzelbild herunterladen

Schilderungen aus Spanien.

ganz am andern Ende des Orts lag. Einen Gaſthof beſaß natürlich Santa Cruz nicht, und die Eigenthümer einer gewöhnlichen Venta waren hier an der großen Straße durchaus nicht darauf eingerichtet, Reiſende unſerer Art zu empfangen. Der Weg durch die Mancha oder die Straße von Toledo nach Valdepeüas wird wenigſtens zur Sommerzeit hie und da von Reiſen⸗ den beſucht, woher es denn kommt, daß man in der einfachſten Poſada oder in einer ganz gewöhnlichen Venta wenigſtens ein Stück Speck findet, wie auch Zwiebeln, Eier und Brod. Hier aber an der großen Straße, wo Diligencen in dieſen kleineren Orten nie längere Zeit anhalten, die Poſaden alſo nur von Maulthiertreibern und Kärrnern beſucht werden, iſt es nicht Gebrauch, ein Mittag⸗ oder Abendeſſen zu verlangen. Der Einkehrende erhält hier nur einen Platz für ſich und ſeine Thiere zum Ausruhen und Schlafen, Waſſer aus dem Brunnen und eine Stelle am Feuer, das die Padrona beherrſcht, welche denn auch, wenn ſie gut gelaunt iſt, die Zubereitung deſſen, was der Fremde mitbringt, höchſtſelbſt und gnädigſt überwacht. Dieſe Einkehrhäuſer an der großen Straße unterſcheiden ſich nicht viel von den türkiſchen Karawanſereien oder den ſyriſchen Chan's, gewöhnlich aber ſind es weitläufige Gebäude, um hinlänglichen Platz zu bieten für die große Anzahl der Zug- und Laſtthiere, die von beiden Seiten des Wegs zuſammenſtrömen. Ein mächtiges Thor verſchließt den Eingang, das erſt nach tüchtigem Anklopfen geöffnet wird. Wir waren heute Abend dieſer Mühe überhoben, denn wenige Minuten vor uns war ein Zug Maul⸗ thiere angekommen, weßhalb der Eingang weit offen ſtand. Die Thiere ſchritten mit lang vorgeſtrecktem Halſe, vorſichtig und in guter Ordnung eins hinter dem andern, zum Hauſe hinein und nach dem Hofraume, wo ſie ſich, einer langjährigen Gewohnheit folgend, ſo aufſtellten, daß ſie von den Treibern bequem abgeladen werden konnten. Wir mußten eine Zeitlang warten, bis der lange Zug eingekehrt war. Das Innere der Venta erſchien uns von hier als eine weite Scheune, deren Balken und Sparren röthlich angeſtrahlt waren von den Flammen eines großen Feuers, das wohl rechts in einer Ecke brannte. Nach den Maulthieren triumphirte Don Alonſo auf ſeinem Karren ein und wir folgten ihm zu Fuße, vom langen Ritt und der Abendpromenade herzlich ermüdet. Ehe ſich der Leſer mit uns an dem lodernden Feuer niederläßt, wird es für ihn nicht unintereſſant ſein, die Beſchreibung einer dieſer Venta's an der Hauptſtraße zu erhalten. Die meiſten derſelben verdanken ihre Ent⸗